Tag 39 – Kräfte sammeln für den Cerro Torre-Trail

Autor: Christian

… das war der Plan. Aaaaaaarghhhh – 4:50. Was ist das? Durch die Schallschutzfenster dröhnen Trompete und Gitarre. Ist es ein Feiertag? Ist es eine Flaggenparade? Nein, es sind zwei Musikanten (betrunken?) auf dem Fahnenplatz.

Na super, Durchschlafen ist damit erledigt. Nach kurzer Zeit ist der Spuk vorbei und wir horchen wieder an den Matratzen. Die Dusche gegen 8:30 war sehr unterschiedlich. Ich als erster konnte einigermaßen problemlos duschen, bei Sandra war es dann vorbei mit dem Wasserdruck. Wegen der vielen Neubauten für den wachsenden Tourismus fehlt gerade in der Höchstsaison der Wasserdruck. Auch Sandra hat es dann geschafft und um 9:00 konnten wir zum Frühstücken in eines unserer Lieblingscafes gehen. Zur Abwechslung gab es heute Toast für Sandra und Müsli für mich zum obligatorischen Café von Leche.

Auf der Couch konnten wir durch das Fenster den heute wieder vorhandenen patagonischen Wind beobachten. Gut, dass wir unsere Tour gestern gemacht haben. Bei starkem Wind wird gerade für das letzte Stück dringend abgeraten. Alles richtig gemacht!

Was stand heute an? Bustickets nach Los Antiguos, Supermarkt checken und evtl. selber kochen, Wäsche waschen, Fotos für Blog hochladen, Beine entspannen, der Parkverwaltung die Sichtung des Humuels (Kleinhirsch) melden.

Punkt 1: Am Busbahnhof war wieder viel Betrieb. Eine Entscheidung hatten wir schon getroffen: Die Fahrtzeit von 8-13 Stunden (je nach Informationsquelle) wollten wir nicht liegend in einem Bussitz verbringen (Semi-Cama) sondern lieber in einem Fast-Bett (Cama). Dabei handelt es sich um einen Bussitz, der zu einem Bett mit Vorhang (also Miniabteil) umgeklappt werden kann. Den Preisunterschied von 46€ zu 59€ pro Sitz nahmen wir gerne in Kauf.

Unser nächstes Ziel von Sonntag auf Montag ist Puerto Tranquilo in Chile.

Exkurs: Nord-Süd (hier: Süd-Nord-Verbindungen) in Argentinien und Chile

In den beiden Ländern, die durch die Anden getrennt werden, ist der Straßenbau nicht so einfach. Es gibt zwei große Straßen, die die Länder von Nord nach Süd durchqueren. In Argentinien gibt es im Westen an der Grenze zu Chile die berühmte Ruta Nacional 40, die mit 5301km die längste Nationalstraße Argentinies und gleichzeitig eine der längsten Fernstraßen der Welt und neben der Panamericana auch die bekannteste ist.

In Chile existiert als Fernstraße durch den Großen Süden die Nationalstraße 7, auch bekannt als Carretera Austral. Sie ist 1300km lang und besonders bei Motorradfahrern sehr beliebt. Aufgrund der Fjorde ist sie teilweise durch Fährverbindungen unterbrochen, im Süden endet sie im Örtchen Villa O’Higgins. Durch das patagonische Eisfeld und das bergige Terrain ist es fraglich, ob das fehlende Teilstück nach bis Puerto Natales jemals gebaut werden kann.

Das nächste Stück der Reise hinter Los Antiguos wird also auf der legendären Carretera Austral stattfinden. Dazu müssen wir von Los Antiguos (Argentinien) via Taxi/Bus in das chilenische Chile Chico (10km). Da sich Argentinien und Chile bezgl. ihrer Grenze nicht immer einig sind, wechseln je nach politischer Wetterlage auch die Möglichkeiten des Grenzübertritts von regelmäßigem Busverkehr bis hin zu Trampen oder zu Fuß. Das allwissende Internet stößt hier leider an seine Grenzen.

Ebenso schlecht dokumentiert ist die Weiterfahrt nach Puerto Rio Tranquilo, ein kleiner Ort am See General Carrera, sodass wir ab Los Antiguos etwas improvisieren werden, was Transport und Unterkunft anbelangt.

Der Supermarkt war heute gut gefüllt, wir versorgten uns mit Spaghetti, Soße und Malbec.

Die Meldung der Humuel-Sichtung bei der Parkverwaltung war schnell erledigt.

Da im Aufenthaltsraum etwas WLAN vorhanden ist, sind jetzt auch die Bilder aktuell.

Gekocht wurde heute im Hostel, wo nach dem Essen auch dieser Bericht entstand. Damit ist es gut für heute, hasta luego chicos!

Tag 38 – Fitz Roy Trecking

Heute ist mein großer Tag — meine erste richtige Tour steht an. Wir wollen die Fitz Roy — Wanderung machen. Also „nur “ zu den Aussichtspunkten. Der Fitz Roy ist ein Kletterberg. Und mit den Cerro Torres sind diese Kletterberge für Kletterer das, was die 7 — 8000er für Bergsteiger sind. Aber wegen den schnell wechselndem Wetter und den patagonischen Winden bis zu 120 km/h, ist die Besteigung extrem schwierig.

Aber bezüglich des Wetters haben wir mehr als Glück. Strahlend blauer Himmel schon 06:30 Uhr und wirklich keine einzige Wolke am Himmel.

Kurz nach sieben verlassen wir mit dem gesamten Gepäck unsere Hütte. So ein Mist, es ist Niemand an der Rezeption. Wir klingeln und klopfen nix. Dann legen wir den Schlüssel einfach in die Hütte und verschwinden. Bezahlt haben wir schließlich schon. Wir gehen in ein nahe gelegenes Café zum Frühstück. Dann noch schnell beim Bäcker ein Sandwich und Wasser gekauft und ab in das neue Hostel. Schnell anmelden — großen Rucksack an der Rezeption abstellen und auf geht es.

Mit meinen Schuhen geht es heute deutlich besser. Dann sind wir am Startpunkt und schon geht es leicht Bergauf.

Es klappt alles super und ich komme in den Flow. Das Wetter ist noch immer atemberaubend. Dann haben wir an verschiedenen Punkten die allerbeste Sicht. Unglaublich.

Ganz ehrlich: so ein Wetter gibt es hier ungefähr einmal im Jahr. Bis zum letzten Aussichtspunkt sind es noch einmal 400 steile Höhenmeter. Hier passe ich. Schließlich will ich auch wieder runter kommen. Und das heisst 10 Kilometer wieder zurück und 400 Höhenmeter runter. Also gehe ich bis zum letzen steilen Stück mit und dann such ich mir ein schönes Plätzchen mit der besten Aussicht und warte bis Christian zurück ist.

Die Aussicht von meinem Warteplatz

Hier die Bilder von Christian vom obersten Aussichtspunkt

Gegen zwei Uhr kommt Christian wieder. Da steht plötzlich ein Humuele vor uns

Er bekommt erst einmal das Sandwich 😃 und dann machen wir uns auf den Rückweg.

Die Sonne brennt gnadenlos und die Beine brennen. Laufen, laufen einfach laufen. Übrigens gibt es hier oben tausende von schwarzen Raupen. Die kleben an einem und krallen sich richtig fest— das zwickt dann — eckelhaft.

Der Rückweg zieht sich in der Hitze wie Kaugummi. Und irgendwann haben wir es dann endlich geschafft. Ich bin völlig fertig ( so wie jeder) und super glücklich und stolz. Wir müssen erst noch durch den ganzen Ort bis zu unserem Hostel laufen. Dort können wir in unser Zimmer.

Blick aus dem Fenster

Oh nein beim ausziehen entdecke ich noch so eine eckige fette Raupe auf meiner Hose. Wir durchsuchen uns und die Klamotten jetzt ganz genau. Hoffentlich haben wir nicht noch mehr mitgeschleppt.

Erst einmal duschen…..und dann essen…..und dann ist alles nur noch halb so schlimm. Morgen lassen wir es ruhiger angehen …. na ja so der Plan.