Tag 93 – La Paz

Der Morgen begann mit einer kleinen Überschwemmung im Badezimmer. Die Duschwanne hatte nur pro forma einen Abfluss. In Wirklichkeit lief das Wasser in einer Ecke der Duschwanne auf den Badezimmerboden ab, wo sich sinnigerweise auch ein Abfluss befand. Der vorbereitete Badeteppich (Handtuch) stand dem im Weg und verstopfte den Abfluss.

Nachdem alle Schäden im Bad beseitigt waren, ging es ans Frühstück im hauseigenen Restaurant. Das war dann doch wieder eine angenehme Überraschung. Neben knusprigen Semmeln gab es Vollkorntoast, Obst, Wurst und Käse UND: eine Sandwichmaschine! Endlich gab es wieder Tostados Jamón y Queso.

So gestärkt gingen wir zum Plaza San Pedro, wo üblicherweise eine Stadtführung startet. Ob es am Karneval lag oder wir zur falschen Zeit dort waren: Um 10:00 war jedenfalls niemand zu sehen.

Im angrenzenden Gefängnis San Pedro wurde heftig Karneval gefeiert – worauf wir einen kurzen Blick durch die Gitter und den Polizeikordon werden konnten. Das Gefängnis ist eine Geschichte für sich, hier gibt es quasi eine Selbstverwaltung.

Nachdem die Führung heute ausfiel, gingen wir zur Teleférico. Zwischen 2015 und 2019 (die letzte Linie ist noch nicht in Betrieb), entstand hier die größte städtische Seilbahnanlage mit insgesamt acht Linien. Gebaut hat das ganze die Firma Doppelmayr aus Österreich, auch bei uns ein Begriff. Hintergrund dieses Prestigeobjekts ist der Höhenunterschied zwischen den ärmeren Vierteln oben und den wohlhabenderen Vierteln unten. Über Treppen kam es nie zu einem Austausch der Bevölkerungsschichten, mit den Seilbahnen ist das nun schnell und günstig für alle möglich. Alle Geschäfte und Möglichkeiten der Stadt stehen nun allen offen.

Die Linien sind nach Farben benannt, auch die Gondeln und die Stationen folgen diesem Farbcode. Wir führen zunächst mit der Lila Linie hoch nach El Alto. Ein Einheimischer erklärte uns in der Gondel das System und zeigte uns verschiedene Anschlußmöglichkeiten. Wir entschieden uns, zur Roten Linie zu gehen für die Abfahrt. Die verbindende Linie ist allerdings noch nicht in Betrieb, die Gondeln hängen noch verpackt am Seil.

Das hieß für uns, El Alto zu queren mit seinen ganzen Märkten. Auch hier war es heute relativ ruhig, viele Stände hatten geschlossen.

Nach 40 Minuten erreichten wir die Station der Roten Linie und führen ab ins Zentrum. Eine Fahrkarte kosten 3 Bolivianos, etwa 7-8 Bolivianos sind ein Euro.

Im Hintergrund seht ihr den Huayna Potosi, den Berg den Christian besteigen wollte

Da einer der Busbahnhöfe auf dem Weg lag, gingen wir kurz dort vorbei. Heute allerdings keine Busse im Busbahnhof, daher weiter zur Kathedrale San Francisco am gleichnamigen zentralen Platz.

Hier war 2014 noch Public viewing zur WM, heute: Nichts los und die Kirche mit Museum ist geschlossen (Karneval).

Ein Café weiter ging es zur Siesta ins Hotel – oh Wunder, das Zimmer hat immer noch keinen Service gesehen. Am Nachmittag gehen wieder in unser geliebtes Café nebenan , essen lecker Salate und schreiben unter anderem die Blogs von gestern und heute.

Am Abend konnten wir in der Agentur die direkt unten im Hotel ist, Bustickets bis Puno (Peru) kaufen. Der Agentureigene Bus fährt am 07.03. 07:30 Uhr direkt vor unserem Hotel los.

Tag 92 – Ankunft in La Paz

Der Flughafen ist 25 Kilometer außerhalb von Sucre. Daher lassen wir uns vom Hostel einen Fahrer organisieren. Das klappt alles super. Der Flieger startet mal wieder überpünktlich – 11:35 Uhr statt 11:55 Uhr.

Nach einer Stunde sind wir in La Paz. Hier werden wir vom Hotel abgeholt. Das funktioniert auch reibungslos. Das Zimmer ist leider nicht so gemütlich wie in Sucre – also willkommen im echten Leben.

Zuerst die gute Nachricht: Wir bekamen von einem desinteressierten Empfang frühzeitig einen Zimmerschlüssel ausgehändigt. Nicht ganz so gut: Die Zimmertür stand offen, weder Handtücher noch Toilettenpapier oder Fernbedienung des Fernsehers war zu sehen. Offensichtlich war das Zimmer noch nicht fertig. Da auch das Nachbarzimmer offen stand, auf Klopfen niemand reagierte und schon etwas mehr Ausstattung vorhanden war, übernahmen wir kurzerhand die dortigen Handtücher und das Toilettenpapier. Als weiteres Hindernis stellte sich der verschlossenen Safe heraus. Die/der Vorbewohner hatten den Safe geschlossen, in diesem Fall muss das Management den Safe mit einem Schlüssel öffnen. Diesen Schlüssel hat allerdings nur die Hotelmanagerin, die gegen 20:00 Uhr erwartet wurde.

Nachdem wir also soweit wie möglich eingecheckt hatten, klapperten wir die benachbarten Agenturen ab. Unsere Straße – Sagarnaga – ist das Touristenzentrum schlecht hin.

Auf ein paar hundert Metern steilste Straße reiht sich eine Agentur an die andere. Interessiert haben wir uns für die Besteigung des Huyani Potosi, den Hausberg von La Paz mit 6.088 Metern. Preislich wäre alles in Ordnung gewesen ( Nebensaison 😉). Ein Check der Wettervorhersage ergab allerdings Schnee und Regen für die nächsten fünf Tage. Entscheidung: Christians erster 6.000er muss noch etwas warten.

Nach soviel Recherche schlendern wir durch unser karnevaleskes Viertel und versuchen, den Wasserbomben, Wasserpistolen (eher Wasserwerfer) und Schaumsprays aus dem Weg zu gehen. Das Viertel ist ein einziger Markt, auch der bekannte Hexenmarkt liegt hier.

Die bolivianischen Frauen sehen immer so aus mit dicken Röcken und Hüten. Nur die Luftschlangen gehören zum Karneval 😀

In einer der Straßen entdecken wir in einem Hinterhof ein entzückendes Kaffee. Die Anlage ist sehr verwinkelt, Waag- oder Senkrechten gibt es hier nicht. Sowohl die Balkone als auch die niedrigen Räume sind vollgestopft mit Antiquitäten (Maschinen, Bilder, Haushaltsgeräte, …). Ein Sammler könnte hier sicher einen Seecontainer vollmachen.

Zurück im Hotel war es Zeit für Siesta und weitere Planung, da wir momentan keine Route haben. Im Zimmer stellten wir fest, dass es hier sehr kalt werden kann und das WIFI wieder nicht funktionierte. Christian sprach am Empfang den vierten Angestellten wegen eines Heizkörpers und des Safes an. Wieder vertröstet auf 20:00 gingen wir in das benachbarte Café del Mundo. Im Erdgeschoss war nur ein Tisch und die Küche zu sehen, zu unserer Überraschung gab es noch zwei weitere Stockwerke mit vielen Tischen und einer Liegeecke.

Die weltgereisten Besitzer haben verschiedene Räume jeweils mit Bildern der verschiedenen Kontinente geschmückt. Die originelle Speisekarte zieht die Reisenden des ganzen Viertels an, das WIFI ist ebenfalls sehr gut. Hier trinken wir Kaffe und Tee, essen einen Crêpes und durchforsten das Internet nach möglichen Routen/Optionen.

Herausforderung: Für Bergsteigen in Peru ist es noch zu früh (besser: Anfang Mai). Gerne würden wir jetzt die Galapagosinseln aufsuchen. Zwischen hier und Galapagos liegen allerdings knapp 3.000 km. Wir möchten auch nicht in einer 50stündigen Busfahrt dahin, die Flüge sind uns zu teuer. Also benötigen wir eine Route, die wir noch nicht von 2014 kennen (schwierig). Zumindest sollten auf der Route uns noch nicht bekannte Sehenswürdigkeiten liegen. Die Knotenpunkte von Bolivien und Peru werden wir wieder aufsuchen (müssen) wie z.B. Titikaka-See, Cusco, Lima, etc.

Die Route haben wir nun, es fehlen noch die Busse. In La Paz gibt es verschiedene Busterminals. Auf den bekannten Internetportalen ist eine Buchung nicht möglich (grenzüberschreitend). Daher werden wir morgen auch noch die Agentur im Haus aufsuchen. Erstmal in Peru wird es dann wieder einfacher mit Information und Buchung.

Zurück im Hotel war endlich die Hotelmanagerin da, die uns den Safe aufschloss und den Heizkörper bringen ließ. Das sorgte langsam für eine wohlige Wärme im Zimmer.