Tag 155 – Letzte Touren und Abschied

Das Wetter zeigte sich heute von seiner besten Seite, eine Vogelbeobachtungstour stand nichts im Wege (bei Regen zeigen sich die Tiere nicht, wir wären länger liegengeblieben). Mit dem Boot ging es die Flussarme rauf und runter, immer wieder nur mit dem Paddel. Wir sahen und vor allem hörten wir eine Vielzahl von Vögel. Die Stimmung am Morgen ist ganz besonders schön.

Am imposantesten war allerdings die Geräuschkulisse von zwei benachbarten Affenhorden, die lautstark ihr Revier markierten. Insgesamt sahen wir auf dieser Tour vier verschiedene Affenarten, u.a. Kapuzineräffchen.

Jetzt ging es zurück zum Frühstück und dann stand unser letzter Walk auf dem Programm, eine 3-4 stündige Dschungeltour. Gleich zu Beginn zeigt uns Wilson einen besonderen Baum. Er schneidet in die Rinde und der Baum blutet…. Diese Flüssigkeit benutzt man im Dschungel wenn man tiefe Verletzungen – zum Beispiel durch die Machete verursacht – hat oder als Sonnenschutz.

Der Zugang muss sich aktuell hart erkämpft werde, da das Wasser nahezu überall steht und unzählige Behelfsbrücken und Steg aus hingeworfenen Baumstämmen überquert werden müssen. Wilson unser Guide baut uns oft Behelfsgeländer aus Stöcken. Man muss mit den rutschigen, schlammigen Gummistiefeln auf den Baumstämmen balancieren.

Wilson hat sich einen Wurm ans Ohr gehängt.

Ein Baumstamm voller Stacheln

An dieses Schlammloch kommen oft Tiere wie Jaguar, Tapir….aber heute ist niemand da

Hier haben wir eine Pause gemacht und Wilson hat uns aus einem Pilz dieses Abschiedsgeschenk gemacht und überreicht.

Dann ging es zurück zur Lodge. Dort angekommen hatten wir noch eine Stunde bis zum Mittagessen. Das hieß für uns die Hosen und Socken auswaschen. Die waren voller Schlamm. Und heute scheint die Sonne und wenn wir Glück haben, trocknen die Sachen noch.

Vor unserer Lodge gefunden

Nachdem Mittagessen ging ans Packen und Abschied nehmen. Von unseren sechs russischen Freunden blieben vier in der Lodge, zwei nutzten die Gelegenheit zu einem Kurzausflug nach Peru, u.a. um Bier einzukaufen 😁.

Gegen 15:00 kamen wir in Pantoja/Peru an. Kurze Anmeldung beim Militär durch unseren Bootsführer und runter vom Boot. Gegenüber der Bootsanlegestelle fand sich gleich eine Unterkunft mit wenig Kakerlaken. Mehr gab’s hier nicht, dafür unschlagbar günstig für 5$ pro Person.

Zu unserer großen Freude ging das nächste Boot am nächsten Tag um 4:00, wir würden mit einer Nacht hier auskommen. Nicht ganz eine Nacht, da Aufstehen um 3:30 angesagt war. Der Bootsführer hatte sich schon eingefunden, unsere Ankunft hatte sich schnell herumgesprochen. Die weniger gute Nachricht: Mittlerweile wurde der Fahrplan geändert, es gab keine Zwischenübernachtung in Santa Cloltilde mehr, d.h. mindestens 15 Stunden Fahrt auf dem kleinen Boot.

Der nächste Weg führte uns zum Migrationsbüro, wo wir unseren Einreisestempel erbaten. Das Prozedere hier hätte einem internationalen Flughafen gut angestanden.

Bild wurde gemacht, Fingerabdrücke genommen und dann gab es den Stempel. Alles superfreundlich und professionell. Hurra! Jetzt waren wir legal in Peru!

Dann war es Zeit, uns zu verabschieden von Guide Wilson, unserem Bootsführer und unseren beiden russischen Begleitern. Alle waren uns nach drei Tagen und Nächten schon ans Herz gewachsen, also großes Drücken und Winken!

Den Ort besichtigt (10 Minuten) und ans Ufer gesetzt, dann noch Semmeln eingekauft und Bierchen in einem „Restaurant“ getrunken – und früh ins Bett

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Geschlafen wurde wenig, zwischendurch kamen die obligatorischen Unwetter, das Prasseln des Regens hörte sich an wie ununterbrochenes Donnern. Außerdem war es furchtbar heiß in dem Zimmer.

Na, auf diese Bootsfahrt war ich nun mal gespannt.

Tag 154 – Im Yasuni Nationalpark

Nach Katzenwäsche um 5:15 und Packen ging es um 6:00 mit einem Boot zurück zum Rio Napo. Nach einer guten Stunde erreichten wir unser erstes Ziel: einen 40m hohen Aussichtsturm mitten im Dschungel.

Neben dem atemberaubenden Ausblick ermöglicht diese erhöhte Position tolle Vogelbeobachtungen.

Wir sahen Tukane, Papageien, Affen und einiges mehr. Zum fotografieren leider zu weit weg. Im Anschluss ging es im Eilmarsch quer durch den Dschungel, da Hector eine große Pekari-Herde (Nabelschweine) ausgemacht hatte (über 100 Tiere). Dummerweise sind die Tiere aber ziemlich scheu. Als sie uns kommen hörten, hörten wir noch ein Riesengequieke und Getrampel, sahen aber nichts mehr…

Gesehen haben wir aber wieder eine ganzenReihe von tollen Insekten und Pflanzen. Die Insekten und Frösche sind wahre Meister der Tarnung und ohne die fachkundigen Augen unseres Guides wären wir des Öfteren an einem Blatt oder einem Grashalm vorbeigegangen.

Unser nächstes Ziel war Nuevo Rocafuerte, eine Grenzstadt am Rio Napo, wo wir alle Mittagessen und Sandra und ich hoffentlich unseren Ausreisestempel in den Pass bekommen. Der Ort ist die Geburtsstadt des aktuellen Präsidenten Lenin Moreno und daher ziemlich bekannt. Aktuell wird die Uferpromenade gerade gebaut, d.h. Vor dem Restaurant war eine große Baustelle.

Die Grenzstation war ein Büro am anderen Ende des Ortes. Wir liefen hin, das Büro war verschlossen. Nebenan gab es ein Dormitorio de Migración, was wir als Schlafsaal identifizierten. Nach wiederholtem „Buenos Tardes“ Rufen öffnete sich die Tür und ein Jugendlicher Grenzbeamter in Turnhose und T-Shirt öffnete uns. Obwohl wir ihn vermutlich aus seinem Mittagsschlaf gerissen hatten, war er keinesfalls unfreundlich und öffnete sein Büro.

In einem großen Buch vermerkte er unsere Daten, prüfte sorgfältig seinen Stempel und gab uns den erforderlichen Eintrag in unsere Pässe.

Im Anschluss ging es mit dem Boot – wie sonst – zu unserer nächsten Unterkunft den Rio Aguarica entlang. Erste Station war hier eine Kommune, die als Attraktion die Flussdelfine angefüttert hatte. Hier konnten wir die seltenen Flussdelfine mit Fischstückchen füttern.

Jetzt heißt es wieder Boot wechseln.

Danach fuhren wir zu unserer Unterkunft, wo wir die Zimmer bezogen und zügig weiterfuhren zum nächsten Programmpunkt: Angeln.

Die momentanen hohen Wasserstände sind allerdings nicht besonders hilfreich, sodass wir erfolglos nach einer Stunde abziehen mussten. Welch ein Unterschied zu unserem Aufenthalt in 2014, wo wir bei einem Ausflug im Minutentakt die Piranhas aus dem Fluss zogen.

Na, Abendessen gab es dann trotzdem und weiter ging es mit einer Nachtwanderung hinter der Lodge in den Dschungel. Nachts erlebt man den Dschungel noch intensiver, die Geräuschkulisse ist einfach beeindruckend.

Nach langem Tag ging es früh ins Bett, morgen hieß es zur Vogelbeobachtung um 5:30 aufstehen.

Tag 153 – In den Yasuni-Nationalpark

Um 6:30 standen wir auf. Um 7:30 sollten wir uns im Büro der Agentur einfinden, wo Jaqueline uns in das richtige Boot setzen würde. Cafés hatten vor 7:00 nicht offen, daher gingen wir ums Eck in die Bäckerei, dort bekamen wir auch einen.Kaffee zu unseren Hörnchen.

Mit dem Taxi ging es zur Agentur, wo noch alles verschlossen war.

Hier hieß es nun warten. Jaqueline samt Baby und ihr Fahrer tauchten kurz vor 8:00 auf. Bis dahin wurde uns schon etwas mulmig, aber sie hatte wohl verschlafen. Das Boot gehe wohl um 8:30 und wir müssten uns jetzt beeilen.

Gesagt, getan – kurz darauf standen wir am Pier.

Hier hieß es zunächst einmal warten. Gegen 8:25 war es dann soweit. Wir wurden aufgerufen, unsere Pässe kontrolliert und wir gingen an Bord. Das Schnellboot hatte Platz für 16 Passagiere und wir waren voll!

Nun ging es für etwa eine Stunde am Fluss Napo entlang. Zu sehen waren neben gelegentlichen Ansiedlungen am Flussufer einige Vögel und die Flusslandschaft an sich.

Eine Menge Treibholz schwamm im Fluss, sodass unser Pilot immer wieder ausweichen musste. Und auf so einem Schnellboot wird es ganz schön kalt mit der Zeit. Um 9:40 trafen wir auf unsere Gruppe, bestehend aus drei russischen Paaren unserem Guide Wilson und dem Kapitän. Der Umstieg von unserem öffentlichen Schnellboot in das andere Boot verlief anders als erwartet. Im Zuge der Beschleunigung stiegen wir mitten im Fluss auf das Boot um. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde ging es gleich weiter zu unserem ersten Programmpunkt, dem Papageienschlammloch. Dazu wurden wir mit Gummistiefeln ausgestattet (fast in unseren Größen). Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir hatten noch kurze Hosen und kurze Shirts an. Denn obwohl es sehr warm ist, geht man natürlich nicht mit kurzen Sachen in den Dschungel. Wegen der tausenden Tiere, giftigen,stachligen Pflanzen und der Moskitos. Aber da müssen wir jetzt durch.

Auf dem Weg treffen wir auf zwei Vogelbeobachter. Wir dürfen durch das Fernglas schauen und sehen dann auch den Vogel, den wir mit bloßem Auge nicht entdecken können.

Um ihre Mägen in Schuss zu halten, müssen manche Papageienarten bestimmten Schlamm fressen. Von diesen Schlammlöchern gibt es mehr als ein Dutzend im Nationalpark. Nach einem kurzen Dschungelspaziergang kommen wir zum Schlammloch. Enttäuschung macht sich breit, kein einziger Papagei ist zu sehen. Ok, Sonnenschein ist wohl auch noch erforderlich. Damit können wir nicht dienen, es schüttet meistens wie aus Eimern.

Gut, dass wir von der Agentur mit Gummistiefeln und Regenponchos ausgestattet wurden. Als Alternativprogramm ging es vom Papageienbeobachtungspunkt gleich in den Dschungel. Es ging bergab und bergauf, über Stock und Stein, durch viele Schlamm – und Wasserstellen. Es war rutschig und sehr, sehr schlammig und schon echt anstrengend. Der Schweiß floss in Strömen aus allen Poren.

Dabei fanden wir ziemlich große Spinnen und Raupen, ziemlich kleine Frösche und ziemlich giftige Schlangen.

Zurück an der Papageienstelle warteten wir nochmal kurz aber es tat sich nichts. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Rest unserer Gruppe ununterbrochen redet. Ja, jetzt wissen wir wieder warum wir keine Gruppenreisen mögen. Wir gingen also zurück zum Boot. Und schon fing es an zu regnen.

Kurz nach 14:00 Uhr waren wir an der Lodge.

Zimmer wurden bezogen und sofort ging es zur nächsten Dschungelwanderung. Wir zogen uns schnell um, und los ging es. Es war zwar nicht wieder so steil wie am Vormittag, aber genauso schlammig und heiß.

Es gab wieder viel zu entdecken. Zum Beispiel einen Baum mit einem Stamm auf der Erde. Man nennt ihn hier den Anacondabaum.

Interessante Pilze…

Wir haben 200 Jahre alte Bäume gesehen. Und sind fast auf diese giftige Schlange getreten.

Unser Guide Wilson hat auch viel über den medizinischen Einsatz der Pflanzen erklärt und welche Pflanze man zu kochen nutzt. Leider war er immer sehr schnell. Wenn man am Ende der Gruppe war, kam man kaum hinterher. Man steckte ja auch ständig im Schlamm fest.

Zum Einbruch der Dämmerung waren wir zurück. Der Schlamm war in den Stiefeln und außen bis zu den Knien. 19:00 Uhr gab es Abendessen. Das Esszimmer teilten wir uns mit einer riesigen Tarantel.

Im neuen Kühlschrank waren auch vier Bier, der Kühlschrank war allerdings mit einer Kette und Vorhängeschloss gesichert. Dummerweise war der Schlüssel nicht auffindbar. Nach einer Stunde kam Chef Hector aus Puyo nach und es wurde kurzer Prozess gemacht: Das Schloss wurde mit einer Machete aufgeschlagen und es gab ein Bierchen. Eigentlich sollte es heute noch eine Nachtwanderung geben. Aber wir hatten alle genug für heute.

Gegen 9:00 ging es dann unter das Moskitonetz schlafen, um 5:15 war am nächsten Tag Wecken angesagt, Abmarsch um 6:00.