Tag 157 – Ankunft in Iquitos…

Um 6:00 standen wir auf und packten unsere Sachen. Neben der ohrenbetäubenden Beschallung bis um 2:00 verhinderte auch das durchgehend brennende Licht im Flur einen erholsamen Schlaf.

Wir verließen das Hostal, nahmen das erste Tuk-Tuk und führen nach Indiana zum Hafen. Dort bekamen wir gleich ein Schnellboot.

Nach einer Stunde waren wir vor 9:00 in Iquitos am Hafen. Wir quetschten uns mit unserem Boot zwischen zahlreiche andere und machten fest. Wieder einmal über Planken und auch noch eine steilenTreppe ging es nach oben ans Ufer. Zu unserer Überraschung befanden wir uns am Ende einer Markthalle. Wir gingen durch sie hindurch und befanden uns nun auf der Straße. Passenderweise fing es auch wieder zu regnen an. Wir nahmen uns ein Tuk-Tuk und fuhren zum Hotel unserer Wahl.

Zum Glück war ein Zimmer frei – reserviert hatten wir wegen der Unwägbarkeiten bei den Flussreisen nicht. Überraschung: Der sehr freundliche Besitzer spricht deutsch.

Das Zimmer war zwar noch nicht bezugsbereit, aber wir könnten noch ein Frühstück bekommen. Herrlich: Kaffee mit heißer Milch (schon fast Schaum 😉), ein Rührei mit allem, Saft und einer wunderbaren Baguettesemmel (beste Semmel in Südamerika bisher). So gestärkt konnten wir bald darauf unser Zimmer beziehen.

Ruhig nach hinten gelegen bietet es nicht den besten Ausblick, aber hoffentlich einen hohen Erholungsfaktor. Zuerst war langes Duschen angesagt und Waschen. Mit Klimaanlage könnten die Sachen evtl. trocken werden.

Dann dösten wir so vor uns hin und recherchierten zu Iquitos und Amazonas. Ab 14:00 wurde Ajax Amsterdam-Tottenham Hotspurs live übertragen. Hier gönnten wir uns fast die erste Halbzeit. Dann ließ die Wirkung des Frühstücks nach, es stellte sich Appetit ein. Also raus aus der klimatisierten Zone auf die Straße. In Iquitos bestehen m.E. 80% des Verkehrs aus Tuk-Tuks. Teilweise erinnern die Szenen an den Ampeln an Südostasien.

Nicht weit vom Hotel fanden wir ein Lokal, dass eine große Auswahl an Speisen OHNE REIS UND OHNE HÜHNCHEN anbot. Das könnten wir nun wirklich nicht mehr sehen. Es gab Nudeln mit Lomo (Fleisch) und einen Hamburger mit Wurst. Mmmmh – endlich wieder Geschmack. In dem Lokal (übrigens 7/24h Betrieb) gab es etwa ein Dutzend Monitore, die Fußball übertrugen. Der Laden war voll, die Mehrzahl der Gäste bejubelte die Aufholjagd und den Sieg der „Spurs“.

So gestärkt gingen wir durch das Zentrum und fanden auch schnell die Touristenauskunft iPeru. Auf unsere Anfrage „Wie kommen wir am Amazonas weiter“ drückte uns die nette Dame einen Zettel in die Hand mit allen Informationen.

Das Slow Boat fährt Montag – Samstag um 18:00 ab und kommt drei Tage später in Santa Rosa an. Das ist der Grenzort Perus im Dreiländereck zu Kolumbien und Brasilien.

Wir werden uns wohl – falls verfügbar- eine Kabine gönnen. Das hat Vorteile wie eigene Toilette, Bett und Sicherheit für das Gepäck. Trotzdem werden wir uns Hängematten für tagsüber besorgen. Reservieren kann man das Boot nicht, Tickets erhält man beim Einsteigen.

Jetzt gilt es zu überlegen, wann wir abfahren.

Im Anschluss ging es an den Fluss und den teilweise hübsch anzusehenden Malecon entlang (Uferpromenade).

Nach dem Spaziergang gönnten wir uns nach langer Zeit wieder einen Pisco Sour. Den gab es in Ecuador einfach nicht. Übrigens waren wir über sechs Wochen in Ecuador und das nahezu ohne Bergsteigen). Soll heißen: Länger als erwartet. Das Land ist relativ klein, die Transporte dauern aber auch relativ lange.

Abends war am Hauptplatz der Springbrunnen in Betrieb, die Kirche wurde angestrahlt. Diese Bilder nahmen wir auf unserem Weg ins Hotel noch mit.

Dann hieß es Berichte schreiben und planen. Insbesondere das Hochladen der Bilder beschäftigte noch für Stunden (seeeehr langsames WIFI).

Tag 156 – Auf dem Rio Napo nach Mazán

Um 3:15 ging endlich der Wecker. Es regnete. Wir verpackten unsere Sachen wasserfest, verließen die äußerst schmuddelige Unterkunft und gingen mit Taschenlampen vor die Tür. Über einige Treppen ging es weiterhin bei strömendem Regen und absoluter Dunkelheit nach unten zum Ufer und über eine Planke auf das Boot. Wir waren die ersten. Die Rucksäcke wurden verstaut und wir nahmen schon mal Platz auf den zugewiesenen Sitzen.

Nach und nach trudelten noch drei Leute ein. Da das Boot neben uns fünf Menschen auch noch diverse Pakete, Rasenmäher und einen Bootsmotor transportierte, war es am Bug auch schon eng. Darüber hinaus werden mit diesen Booten auch noch Briefe und sogar Geld transportiert (letzteres in kleinen Plastiktütchen). Gegen vier legten wir ab. Zur Orientierung auf dem breiten und rasch dahinfließenden Rio Napo leuchtete der Kapitän immer wieder mit einem Handscheinwerfer nach den Seiten und nach vorne. Nach wie vor war strömender Regen, unseren Zeitplan – Ankunft um 19:00 in Mazán- würden wir nicht halten können, eine Übernachtung in Mazán würde sicher fällig werden.

So dösten wir vor uns hin, um 6:00 ging die Sonne über dem Dschungel auf und wir hielten immer wieder am Ufer, um Leute ein- und Aussteigen zu lassen bzw. um Ware/Geld abzuliefern oder anzunehmen.

Nach der schlaflosen Nacht schliefen wir zwischendurch immer wieder ein. Auch an Essen war gedacht. Zum Frühstück wurde ein im Bananenblatt verpackter Reis mit Hühnchen gereicht.

So vergingen die Stunden. Immer wieder regnete es kurz und heftig, die seitlichen Plastikplanen machten wir daher mal runter und mal wieder hoch.

So betrachteten wir stundenlang das Treiben am vorbeiziehenden Ufer des Rio Napo. Erstaunlich, wie viele Menschen unter einfachsten Bedingungen hier in ihren Hütten leben. Welch ein Kontrast zum durchschnittlichen mitteleuropäischen Leben.

Gegen Nachmittag war das Sitzfleisch durch die durchgesessenen Sitze schon arg strapaziert und die Suche nach der passenden Position wurde schwieriger. Das Tanken nutzte ich gerne zu einem kleinen Spaziergang.

Als es um 18:00 die Sonne unterging, wurde die Navigation erneut schwieriger. Bei Hochwasser wachsen den Flüssen hier viel Nebenarme, das macht es ebenfalls nicht leichter. Als dann auch noch Nebel hinzukam, drosselten wir die Geschwindigkeit und es ging im „Schritttempo“ weiter, immer wieder den Handscheinwerfer benutzend. Einige wenige Boote waren ebenfalls noch auf dem Fluss, mit Lichtzeichen und Rufen ging am sich aus dem Weg. Dieser spannende Teil dauerte etwa eine Stunde bis 19:00 und dann schlief ich erneut ein. Als ich aufwachte, war der Himmel klar und ich wähnte mich auf einem riesigen See – links und rechts nur Wasser. Aber: Vor uns eine Lichterreihe am Ufer, das musste Mazán sein. Richtig, das war Mazán. Wir legten nach 20:00 und knapp 500km auf dem Fluss an einem Bretterverschlag an und unser Bootsbegleiter ging mit uns über die Planken auf die Straße. Gegenüber der Anlegestelle war ein Hostal. Für 20 Soles bekamen wir ein Zimmer. Da die Zimmer nach oben hin nicht abgeschlossen sind, ist es mehr ein Schlafsaal mit Brettern dazwischen. Beim Beziehen der Unterkunft die Überraschung: Es war nur ein normales Einzelbett im Raum. Ja, das ganze Hostal bestand ausschließlich aus solchen Boxen. Auf Touristen ist man hier definitiv nicht eingerichtet.

Wir gingen die einzige Straße entlang und fanden ein paar Häuser weiter einen Laden, der Bier verkaufte und ein paar Stühle vor der Tür hatte. Da ließen wir uns mit unserem Schlummertrunk nieder und schlossen noch Freundschaft mit der scheuen Nackthündin des Lokals.

Anschließend ging es zurück ins Hostal. Mittlerweile hatte in unmittelbarer Nachbarschaft ein Nachtclub seinen Betrieb aufgenommen und beschallte uns mit ohrenbetäubender Musik. Unsere Erschöpfung von der schließlich 16-stündigen Bootsfahrt half uns trotzdem einzuschlafen. Morgen würden wir früh mit einem Tuk-Tuk zum 8km entfernten Hafen fahren. Dabei handelte es sich um einen anderen Ort, Indiana. Von dort aus gehen die Schiffe nach Iquitos (Schnellboot, eine Stunde).