Tag 159 – Kulturtag in Iquitos

Heute stand Kultur auf dem Programm. Vorher hieß es aber noch, die Rucksäcke zu packen und abzustellen. Schließlich würden wir heute umgezogen werden, wir bekamen ein neues Zimmer.

Gesagt, getan und im Anschluss ging es ums Eck ins Zentrum. Iquitos erlebte einen Boom als Zentrum der Kautschukgewinnung ab etwa 1875, der knapp 30 Jahre anhielt. Auf dem Rücken der versklavten Indios erwirtschafteten die Kautschukbarone enorme Vermögen. Der Lebensstil war entsprechend. Es gab Opernhäuser, Kaviar und Pariser Kleidung. Manch einer schickte sogar seine Wäsche zum Waschen nach England. Zeugnis dieses Booms sind die restaurierten Häuser aus dieser Zeit mit ihren Jugenstilfassaden.

Beispiele sind z.B. Die Casa de Fierro, Casa Luis Morey, Casa Cohen oder Casa Fitzcarrald.

Am Ufer liegt das von außen unscheinbare Museo de Culturas Indígenas Amazónicas, das sich mit der Kultur der indigenen Völker am Amazonas grenzübergreifend beschäftigt. Dort verbrachten wir die nächsten beiden Stunden bei den ausgezeichneten Exponaten, eine TV-Dokumentation über das Leben der „freiwillig isolierten“ Indianer – also zurückgezogen wie früher im Dschungel lebend – lieferte einen imposanten Eindruck über das Leben im Dschungel abseits der Zivilisation.

Im Museum habe ich mir ein Armband gekauft. Das wurde in einer Gemeinde im Dschungel hergestellt.

Im Anschluss machten wir uns auf den Weg in das Lokal von gestern, um uns in der Hitze einen Refresher zu gönnen.

Leider stand nun neben Mango (wie auch schon gestern) heute auch noch Minze auf der Liste der fehlenden Zutaten. Kein Refresher, dafür Frapuccino, auch gut.

So gestärkt ging es zum Museo Barco. Es handelt sich dabei um ein Dampfschiff von 1906, das heute als Museum dient.

In den verschiedenen Ausstellungsräumen an Bord gab es eine Fülle an Informationen über den Kautschukboom und seine Auswüchse wie Versklavung und Dezimierung der Indianer.

Die Dampfschifffahrt, die in Iquitos um 1864 begann, war die Grundvoraussetzung für die Gewinnung und den Transport von Kautschuk. Vor den Dampfschiffen war eine Befahrung des Amazonas stromaufwärts wegen der starken Strömung nicht möglich.

Zum Museum gehört noch eine kleine Barke. Aus unseren Recherchen wussten wir, dass auch eine Seerundfahrt vom Schiff aus möglich wäre. Gefragt, getan – die Tour würde um 15:00 starten. Schön, da hatten wir noch etwas Zeit, um die Casa Morey gegenüber zu besichtigen. Das Haus ist heute ein Hotel und Restaurant und besticht durch die historische Ausstattung von der Eingangshalle bis hin zu den Zimmern.

Kurz darauf konnten wir an Bord der Barke gehen und wurden (exklusiv😉) um die Bucht geschippert.

Danach war es höchste Zeit für das Abendessen. Das gab es heute im Karma, ein Lokal mit angeschlossener/integrierter Kunstausstellung.

Nach einigen Snacks und Bieren liefen wir dann zurück zum Hotel.

Der Umzug hatte geklappt, wir waren nun im dritten Stock. Das Zimmer war eigentlich ein Dreibettzimmer und wesentlich größer als unser vorheriges.

Schön! Morgen Nachmittag würde es zu unserem Hafen gehen, vorher wollen wir vormittags den berüchtigten Markt von Belen ansehen.

Tag 158 – Vorbereitungen in Iquitos

Heute hatten wir uns vorgenommen, die Stadt weiter zu besichtigen, evtl. nach einer Tour für Morgen Ausschau zu halten, die Abfahrt des Schiffes zu klären und Hängematten und Zubehör zu organisieren. Dazu zählt neben Stricken für die Hängematten auch Besteck und Geschirr.

Dazu gingen wir nach dem Frühstück in Richtung der Häfen, die sich hinter den Häusern den Fluss entlangziehen. Auch der Marinehafen liegt dort, die Infotafel zeigte uns um 11:21 eine Temperatur von 31,3 Grad an.

Nach einer Stunde Spaziergang erreichten wir auch einen Hafen. Dort wurden wir allerdings weitergeschickt zum nächsten.

Als wir kurz darauf dort ankamen, sprach ich einen vor der Einfahrt sitzenden Mann an. Die Informationen der Touristinfo waren nicht ganz eindeutig, aber er konnte damit etwas anfangen. Kurzerhand nahm er mich an der Hand und wir liefen wieder zurück zu dem Hafen, von dem wir gerade kamen. Allerdings lief er mit uns durch die Blechhalle, die den Eingangsbereich markierte direkt zum Ufer. Und da lagen sie: Die Amazonasdampfer.

Unsere Gran Loretana legte gerade an. Ich gab unserem „Guide“ ein paar Soles (peruanische Währung) und wir sahen uns die Ankunft des Schiffes an. Das würde also ab Samstag für mind. 72 Stunden unser Zuhause sein.

Als das Schiff anlegte, sprang sofort ein ganzer Schwarm von Ladehelfern an Bord. Wie in einem Ameisenhaufen ging es nun zu. Ein Strom von Passagieren verließ mit allerlei Gepäck das Boot, ein Rudel Tuk-Tuk-Fahrer nahm die meisten auf und fuhr sie wohin sie wollten, Proviant und Gepäck wurde schon wieder auf das Schiff gebracht. So würde es hier jetzt zwei Tage zugehen, bis die Gran Loretana am Samstag um 18:00 nach Santa Rosa aufbrechen würde.

Auffällig auf der ganzen Reise bisher entlang von Napo und Amazonas war das Fehlen jeglicher Hilfsmittel wie z.B. Sackkarre. Die zentnerschweren Lasten, ob Getränke, Bananen oder Möbel, wurden zwischen den Transportmitteln ausnahmslos auf dem Rücken getragen.

Beeindruckt von der Betriebssamkeit sahen wir uns nun in der Blechhalle um. Hier gab es alles zu kaufen, was wir benötigen würden. An einem Stand fanden wir Hängematten, Seile, Besteck/Geschirr. Wir klärten den Preis und entschlossen uns, die Sachen am Samstag zu kaufen.

Jetzt liefen wir die Hafenstraße wieder zurück ins Zentrum, vorbei an unserer Ankunftsstelle.

Wir hatten uns eine Erfrischung verdient.

Bereits gestern hatten wir herausgefunden, warum uns in diesem Touristenzentrum kaum Touristen auffielen. Wenn sie nicht auf Dschungeltour waren, saßen sie alle in einem der Cafés/Restaurants am Flussufer. Hier ließen wir uns nun auch auf einen Refresher (Saft aus Ingwer, Minze und Limetten) und Toast nieder.

An diesem Ort treffen sich neben den zehn anwesenden Touristen allerdings eine mindestens ebenso große Anzahl von Souvenirverkäufern, Straßenmusikanten und Touranbietern – das war der Vorteil der zweiten Reihe-Lokale, man hat da seine Ruhe unter Einheimischen.

So gestärkt gingen wir am Malecon (Uferpromenade) weiter entlang und über einen kleinen Umweg über die Bank (Geld abheben) zurück zum Hotel.

Zwischendurch hatten wir uns in einer Agentur noch über Ausflüge informiert und dann dankend abgelehnt. Iquitos als der peruanische Eingang zum Dschungel hat als Schwerpunkt – oh Wunder – Dschungeltouren. Da wir aber gerade aus dem Dschungel kamen, stand uns der Sinn nicht nach Affen, Delfinen, Spinnen oder Ähnlichem. Wir würden unsere zwei Tage bis zur Abfahrt noch mit Markt, Museen und Cappuccinos verbringen.

Nach einer kurzen Siesta im Hotel war es auch schon wieder Abendessenszeit. Da die Casa de las Enchiladas uns am Vortag gut gefallen hatte, liefen wir auch heute wieder da ein. Fleisch, Wurst, Hühnchen und Pommes satt. Auf den Schiffen würde es wieder ausschließlich Reis und Kochbananen geben.

So ging der Tag zu Ende und wir schlenderten zurück ins Hotel.