Tag 160 – Abschied von Iquitos

Heute würden wir Iquitos mit dem Schiff verlassen und unsere Amazonasreise beginnen. Bis dahin war es noch etwas Zeit, auf dem Programmstand heute Geschirr/Besteck einkaufen und den Mercado Belen besuchen. Vorbereitend zum Muttertag hängen seit Tagen schon überall Herzen in den Geschäften, heute werden die Lautsprecheranlagen noch etwas lauter gedreht. So schlendern wir von einem Geschäft zum nächsten, bis wir in einem Laden sowohl Becher als auch verschließbare Schüsseln bekommen (die Marke schreibt sich Tapaware 😉). Kurz darauf finden wir in einem Supermarkt auch Besteck. Die Hängematten würden wir am Hafen kaufen und ums Eck begann bereits der berüchtigte Markt von Belen.

Belen besteht aus einem festen Stadtteil in Iquitos und darüber hinaus aus schwimmenden Dörfern ringsum. Der Markt ist bekannt für seine Taschendiebe, daher soll man den „unteren Bereich“ meiden. Allerdings ist der Markt riesig und der „untere Teil“ nicht beschildert 😁. So liefen wir durch den Markt und es war erstaunlich: Obwohl wir sicher nur einen Bruchteil des Marktes sahen, war es die größte Auswahl an Fisch und Fleisch, die wir auf unseren Reise bisher gesehen haben. Und es gab hier alles: Neben unzähligen verschieden Fischarten sahen wir auch eher gewöhnungsbedürftiges wie Kaimann und Anaconda. Sehr beeindruckend! Dann war es ander Zeit, ins Hotel zurückkehren. Wir wollten gegen Mittag zum Schiff, unsere Schlafplätze sichern und dann zum Essen in die Stadt zurückkehren.

Gesagt, getan. Die Verabschiedung von Jaime, unserem deutschsprachigen Hotelchef, dauerte etwas länger. Es stellte sich heraus, dass er damals als Statist in Werner Herzogs Film „Fitzcarraldo“ mitgespielt hatte. Er bestätigte die Geschichten, die man aus Dokumentationen bereits kennt. Insbesondere die Spannungen zwischen Werner Herzog und seinem Hauptdarsteller Klaus Kinski sind legendär. Es war spannend, das von einem „Teilnehmer“ zu hören. Dann waren wir fertig und fuhren mit Gepäck zum Hafen. Unser Schiff wurde nach wie vor beladen. Wir packten unsere Sachen und gingen über eine Planke an Bord. Ich fragte den ersten, der nichts schleppte nach dem Kapitän, und siehe da: Er entpuppte sich als Chef der Administration. Ich fragte nach einer Kabine für zwei, woraufhin er für 10 Minuten verschwand. Zurück drückte er mir ein Vorhängeschloss mit Schlüssel in die Hand und zeigte uns die Kabine neben dem Kapitän (die doppelt so groß war und auch ein Büro enthielt). Ok. Drei Tage würden wir es hier aushalten. Es ging ja nur um einen Platz, um das Gepäck abzuschließen. Das warfen wir gleich auf die Pritschen und gingen von Bord, um unsere Hängematten zu kaufen.

Wir wurden am Stand auch gleich wiedererkannt und versorgt. Zurück an Bord hieß es nun, den besten Platz für die Hängematten auszusuchen. Wir hatten die Qual der Wahl, da nahezu alles frei war. Also: Wo waren die Treppen? Wo die Toiletten? Wo der Kiosk? Wo das Licht? So fanden wir einen unserer Einschätzung nach idealen Platz und ich hängte die Hängematten auf.

So waren wir jetzt bereit, zum Essen zu fahren (gegen 13:00). Doch was war das? Unser Schiff legte ab. Viel zu früh 😳. Aber halb so wild, es ging nur zwei Häfen weiter, wo eine Unmenge von Lebensmitteln eingeladen wurde. Nahezu zwei Stunden schleppten die Helfer Säcke und Kisten an Bord. Wie üblich mussten sie dazu auch wieder über ein anderes Schiff laufen.

Zeitgleich wurde auch getankt. Dazu legte eine Barke mit 20 Fässern auf der Seite an und ein Fass nach dem anderen wurde leergepumpt.

Neben uns lag eine schwimmende Hühnerfarm – richtige „freilaufende“ Hühner.

Nach zwei Stunden legten wir wieder ab und fuhren – fast zurück. Nein, einen Hafen weiter gab es noch einiges abzuholen. Tonnenweise Gemüse wurde eingelagert. Dann ging es zurück zum Startplatz und wir könnten um 16:00 von Bord ins Tuk Tuk und in die Stadt. Noch mt Geld versorgt und dann in das Touristenlokal No. 1 „Dawn of the Amazonas“. Dort gab es nun mal die größte Auswahl an Essen bei guter Qualität.

Gestärkt fuhren wir zurück zum Schiff. Immer noch wurde beladen, wir machten es uns bequem. Das Schiff bestand aus dem Ladedeck, darüber erstes Hängemattendeck mit Kiosk und unserem Hängemattendeck. Während auf unserem Deck keine zehn Matten gespannt waren, waren es unter uns gut belegt. Die Logik blieb uns fremd – außer uns waren noch eine weitere asiatische Touristin hier, sonst Einheimische.

Kurz vor 20:00 war es dann soweit. Knirschend und ächzend lösten wir uns vom Ufer und nahmen Fahrt auf, nach kurzer Zeit hatten wir den Hafen verlassen und befanden uns auf dem Amazonas. Bald schon schlief ich ein.

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