Tag 167 – Manaus

Gegen 5:00 wachte ich auf und setzte mich auf den Stuhl vor unserer Kabine. Wie die letzten Tage auch lauschte ich dem Erwachen der Dschungelbewohner. Das Kreischen und Zwitschern war auch durch den Schiffsdiesel zu hören.

Wir waren noch etwa 80 km vor Manaus, sodass wir Zwischen 9:00 und 10:00 eintreffen würden.

Der (letzte) Frühstückspfiff erfolgte heute überraschenderweise schon um 6:00 Uhr und erwischte Sandra noch im Bett. Trotzdem waren wir bei den ersten im Frühstücksraum. Weiche Semmeln, Margarine und ein Melonenstück war das heutige Menü.

Im Anschluss fingen wir schon mal zu packen an. Dazu baute ich auch unsere Hängematten ab.

Mit der Ankunft in Manaus werden wir seit Iquitos knapp 2000 km auf dem Amazonas unterwegs sein, die Fahrtzeit beträgt bei den aktuell günstigen Hochwasserständen über 100 Stunden.

Das letzte Stück heute morgen ging wieder durch diverse Nebenarme, wo wir dem Ufer sehr nahe kommen. Dort war die Bauweise der Häuser sehr gut zu sehen – sie sind wegen der starken Wasserstandsschwankungen auf Stelzen gebaut.

Dann erreichten wir Manaus. Ursprünglich mit dem Kautschukboom großgeworden ist Manaus heute die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas. Die Stadt liegt an der Mündung des Rio Negro in den Amazonas – ist also umgeben von ziemlich viel Wasser.

2018 wurden hier 2,1 Millionen Einwohner gezählt, damit leben 60% des Bundesstaates Amazonas in Manaus.

Nach dem Anlegen gingen wir von Bord und nahmen uns ein Taxi zum Hotel. Nach den Strapazen der letzen Wochen steht uns der Sinn nach etwas Komfort. Im Hotel angekommen beziehen wir unsere Suite im 14. Stock, zum ersten Mal seit Coca in Ecuador wird heiß geduscht.

Blick aus den Fenstern

Langsam macht sich der Hunger breit. Ums Eck ist das größteEinkaufszentrum Amazonas (86.600 qm). Dort finden wir auch schon am Eingang ein Restaurant, wo wir uns nach all dem Reis, Nudeln, Hühnchen, etc. Spaghetti mit Meeresfrüchten schmecken lassen.

Zurück ans Hotel gilt es das gute WIFI auszunutzen. iCloud synchronisieren, Updates durchführen, Bilder hochladen, Backups, … . Mit einer Flasche Wein stoßen wir auf die Meisterschaft des FC Bayerns an und lümmeln auf dem tollen Sofa.

Als Nächstes steht wieder Planung an, d.h. die Beantwortung der Fragen „wie lange bleiben wir hier, wo bleiben wir (das Hotel ist am Montag ausgebucht), wie weit fahren wir als nächstes – bis zur Küste (1700 km) oder nur bis Santarem, was sehen wir uns in Manaus an – Fragen über Fragen …

Tag 165 & Tag 166 Essen, Schlafen, Schauen auf der Oliveira II

Die erste Nacht war für mich um 4:00 vorbei. Über uns das Schiffshorn, unter uns das Bugruder – vor jedem Stop ist beides lautstark in Betrieb. Ich nutze die Gelegenheit zur Beobachtung des morgendlichen Dschungels. Zwischen 4:30 und 6:30 ist Lärm der Vögel am beeindruckendsten.

Um 6:30 ertönt die Trillerpfeife, mit der zur Mahlzeit gerufen wird. Wir machendes mit unserem Geschirr auf den Weg nach unten. Zum Frühstück gibt es irre gesüßten Kaffee, eine Semmel mit Käse und ein Stück Kuchen. Wer mochte, konnte das ganze noch mit Margarine vom Tisch ergänzen.

Nach dem Frühstück wechselten sich Dösen/Schlafen in der Hängematte und Dschungelschauen ab.

Und siehe da – der frühe Vogel fängt den Wurm – bei insgesamt drei Gelegenheiten sahen wir springenden Flussdelfine (graue Rücke/rosa Bäuche).

Und schon ertönte der Pfiff, der uns zum Mittagessen rief. Auf dem Speiseplan stand Reis, Spaghetti, Bohnengemüse, Huhn und ein Stück Melone – und das alles reichlich.

Das Abspülen mit Amazonaswasser und ohne Spülmittel hat mehr symbolischen Charakter, es half ein bisschen.

Mittags begann es dann heftigst zu regnen. Unbeeindruckt legten wir zwei Stops ein und nahmen dabei Unmengen von Leergut (?) und Passagieren auf.

Und damit nahm das Unheil seinen Lauf. Unsere Hoffnung auf ein weiterhin so ruhiges Oberdeck wurde schnell eines Besseren belehrt. Nach und nach fanden immer mehr Passagiere aus dem völlig überfüllten unteren Deck den Weg auf „unser“ Oberdeck. Der Füllstand passte sich nun an, wir waren eingekeilt von Hängematten.

Darüber hinaus brachten eine Reihe von Passagieren Radios, CD-Player, Bluetooth-Box und Smartphones mit an Bord. Natürlich wollte jeder seinen Film schauen und seine Musik hören. Zusammen mit der Anlage vom Kiosk und dem Fernseher war es innerhalb kurzer Zeit ein ohrenbetäubender Lärm. In Brasilien gibt es wohl keine Lautstärkeregler, alles war auf Vollanschlag.

Trotzdem blieben wir auch wegen des nun wolkenbruchartigen Regens in unseren Hängematten liegen (die Kabine war nicht wirklich für einen stundenlangen Aufenthalt – wach – geeignet).

Schon war es Zeit für das Abendessen. Heute: Nudeln, Reis, Bolognese.

Abends wurde es dann nochmal schön, im Anschluss konnten wir den Vollmond über und im Amazonas bewundern.

Nachdem der Lärmpegel zunahm, verzogen wir uns in die Kabine und schliefen bald ein.

Am folgenden Morgen ging ich wieder gegen 4:00 nach draußen und lauschte dem Dschungel. Entgegen manchen anderslautenden Berichten fuhr unser Schiff durchaus öfters in Ufernähe, was immer interessanten Beobachtungen ermöglichte (fährt das Schiff in Flussmitte, sind die Ufer in der Regel ziemlich weit entfernt). Außerdem nutzte der Kapitän eine Reihe von in der Regenzeit existierenden Abkürzungen über Nebenarme, die von Natur aus enger waren).

Bei der Rückkehr an unseren Hängemattenplatz die unangenehme Überraschung. Ein wenig freundlicher aber umso voluminöser Brasilianer hatte sich gestern Nachmittag schon neben uns bereitgemacht und gestern Abend unsere Abwesenheit genutzt, um Sandras Matte hochzuhängen und seine Position zu verbessern. Nachdem er keinerlei Anstalten machte, das rückgängig zu machen, mussten wir wohl oder übel etwas zusammenrücken.

Ich traf Joey mit Fernglas an Deck und wir beobachteten den Dschungel. Nach einiger Zeit sah ich nach Sandra in der Kabine – sie wurde vom Frühstückspfiff geweckt, ich hatte nichts gehört.

Also schnell Wasser holen, Zähne putzen und ab zum Frühstück. Heute gab es Semmeln, Rührei und ein unbestimmbares dreieckiges Stück, was eine Mischung aus Teig, Käse und Schuhsohle war.

Der Vormittag verging wieder wie im Flug mit Schlafen und Schauen.

Kurz darauf stand Mittagessen an mit Reis, Nudeln, Rindfleisch, Bohnengemüse und Melone – ich fasste den Vorsatz, mich in Manaus ausschließlich von Capucchino und Obstsalat zu ernähren.

Nachmittags stellten wir Stühle vor unsere Kabine und genossen die Ruhe und Einsamkeit.

Zwischenzeitlich zogen wir Sandras Hängematte um, da der voluminöse Kerl beim Räkeln und Strecken ziemlich nahe kam.

Offensichtlich floss der Alkohol bei einigen Passagieren spätnachmittags in Strömen, die Musik wurde immer lauter und so zogen wir uns heute nach einem weiteren Sonnenuntergang am Amazonas in unsere Kabine zurück.

Tag 164 – Wir verlassen Kolumbien

Obwohl das Schiff erst um 12:00 abfährt, beginnen unsere Formalitäten bereits um 8:00. Frühstück war daher bereits um 7:00 angesagt. Beim Frühstück bot uns unser Gastgeber Carlos an, dass er uns ein Moto Taxi rufen könnte, dass uns vom Hotel zur Migration Kolumbien und weiter nach Brasilien zur Migration und zum Hafen bringen könnte. Da das die Logistik enorm vereinfacht, sagten wir zu und kurz vor 8:00 steht unsere Taxista vor der Tür.

Die Ausreise am Hafen war in 20 Minuten erledigt, die Einreise ging ähnlich schnell und so waren wir gegen 9:00 nach zwei Tagen Kolumbien offiziell in Tabatinga/Brasilien am Hafen angekommen.

Wir reihten unser Gepäck ein und gingen mit Ticket und Pässen zu einem Uniformierten ins Büro. Der händigte uns jeweils ein Ticket „Geprüfter Passagier“ aus und so warteten wir in der Halle.

Unser Boot lag vor uns, an Bord waren allerdings nur etwa 10 schwer bewaffnete Soldaten mit ernsten Mienen zu sehen. Nach etwa 1,5 Stunden warten war es soweit. Die Passagiere wurden aufgefordert, samt Gepäck zum Pier zu kommen.

Das Gepäck wurde wieder aufgereiht und Pässe und Tickets bereitgehalten. Außer uns waren noch Joey aus Australien und Marc aus den Vereinigten Staaten als erkennbare Nicht-Latinos am Pier.

Nachdem ich die Frage des Kommandanten nach gefährlichen Dingen wie Waffen, Drogen, etc. im Gepäck verneinte („Sicher nicht? – Nein!“), konnten wir mit Gepäck an Bord. Marc und Joey wurden übrigens durchsucht.

An Bord wurden wir von einem Empfangskomitee begrüßt und mit einem Armband versehen. Im Vergleich zu unserer letzten Schifffahrt von Iquitos nach Santa Rosa mutete das hier schon wie eine Kreuzfahrt an (@Marlies/Wolfgang: Keine von den Kreuzfahrten wie Ihr sie kennt). Wir wurden nach oben geführt und eine Kabine wurde aufgesperrt. Welch ein Unterschied zu unserer Kabine in Peru. Es gab Bett mit Laken, Kühlschrank, Klimaanlage und Fernseher (ein Programm). Das würde also für 3-4 Tage unser Reich sein.

Um uns unseren Platz an Deck zu sichern, packten wir gleich unsere Hängematten aus und befestigten sie. Von unserer Empfangsdame – gleichzeitig die Köchin – erfuhren wir, dass es heute noch kein Mittagessen gäbe, erst ein Abendessen stünde auf dem Plan. Das war übrigens nicht so einfach, da die Dame ausschließlich Portugiesisch sprach (für uns gleichbedeutend wie Chinesisch).

Wir gingen also nochmal von Bord und holten uns in der Empfangshalle noch mit Wurst, Reis und Hühnchen gefüllte Teigtaschen. Mmmmmmmh!

Zurück an Bord betrachteten wir das Treiben und gegen 12:30 legten wir fast pünktlich ab.

Wir machten es uns in unseren Hängematten bequem und schauten dem Dschungelufer beim Vorbeigleiten zu.

So schaut es auf dem Deck unter uns aus.

Auf unserem Deck befand sich auch ein Kiosk, der mich am Nachmittag mit einem Hamburger versorgte.

Wir machten noch zwei Stopps und luden Menschen und viel Leergut ein. Das untere Deck wurde immer voller.

Nachdem ich zwischenzeitlich eingeschlafen war, weckte mich Sandra mit dem Hinweis, es gäbe Abendessen. Abendessen jetzt – um 16:30?

Tja, das mit der Zeit ist hier etwas verwirrend. Bis vor zwei Jahren hatte Tabatinga die Uhrzeit von Manaus, also eine Stunde vor der Nachbarstadt Leticia in Kolumbien. Da das für den kleinen Grenzverkehr eher hinderlich war, wurde die Zeit synchronisiert mit der Schwesterstadt, also eine Stunde zurück. Auf unserem Schiff aus Manaus gilt aber wohl die dortige Zeit, also ist es jetzt eine Stunde später. Dies verwirrt nicht nur uns etwas, sondern auch IPhone und Garmin, die munter zwischen den Zeiten hin- und herspringen.

Also gut- Abendessen. Wir holten unsere Plastikboxen und Besteck aus der Kajüte und gingen runter zur Küche. Vor der Küche befand sich eine riesige Warteschlange. Da wir unserer eigenes Geschirr dabei hatten, wurden wir sofort eingelassen und bekamen eine Suppe mit Nudeln, Rindfleisch und Reis. Damit machten wir uns wieder nach oben zu unserem Deck und stellten uns einen Tisch und Stühle an die Reling. Hier saßen wir also und aßen in der heranziehenden Dämmerung vor der Dschungelkulisse unser erstes Abendessen auf dem Amazonas.

Alle waren sehr freundlich, die Frage nach heißem Wasser allerdings wurde wieder zur Geduldsprobe. Mit Spanisch kam ich hier definitiv nicht weiter. Der Verweis auf meine Thermosflasche war die Lösung. Sie würden mir nach der Essensausgabe die Flasche vorbeibringen – mein Abendkaffee war gerettet.

Zwischenzeitlich gönnten wir uns unsere ersten brasilianischen Biere aus niedlichen Dosen (269ml).

Schon lagen wir wieder in den Hängematten und dösten vor uns hin. Zwischenzeitlich unterhielten wir uns mit Joey und Marc. Zum wiederholten Male stellten wir fest, dass sowohl der Begriff Sabbatical als auch das Prozedere außerhalb Europas unbekannt war und einiger Erklärungen bedurfte.

An Deck begann nun das Abendprogramm. Menschen spielten Karten, ein Fernseher vor dem Kiosk zeigte ein Fußballspiel und Mütter kümmerten sich um ihre kleinen Kinder (wovon es eine ganze Reihe gab).

Für uns stellte sich nun die Frage nach dem Schlafplätze. Würden wir in der Hängematte schlafen oder in unsere Kabine gehen? Wir entschlossen uns, in der Hängematte einzuschlafen und – sobald aufgewacht – in die Kabine zu wechseln und diese auszutesten. Wie man an Deck in einer Hängematte schläft, wussten wir schon.

Bald war es auch soweit – wir schliefen ein. Gegen Mitternacht wachten wir auf und gingen in die Kabine…

Tag 160 – Abschied von Iquitos

Heute würden wir Iquitos mit dem Schiff verlassen und unsere Amazonasreise beginnen. Bis dahin war es noch etwas Zeit, auf dem Programmstand heute Geschirr/Besteck einkaufen und den Mercado Belen besuchen. Vorbereitend zum Muttertag hängen seit Tagen schon überall Herzen in den Geschäften, heute werden die Lautsprecheranlagen noch etwas lauter gedreht. So schlendern wir von einem Geschäft zum nächsten, bis wir in einem Laden sowohl Becher als auch verschließbare Schüsseln bekommen (die Marke schreibt sich Tapaware 😉). Kurz darauf finden wir in einem Supermarkt auch Besteck. Die Hängematten würden wir am Hafen kaufen und ums Eck begann bereits der berüchtigte Markt von Belen.

Belen besteht aus einem festen Stadtteil in Iquitos und darüber hinaus aus schwimmenden Dörfern ringsum. Der Markt ist bekannt für seine Taschendiebe, daher soll man den „unteren Bereich“ meiden. Allerdings ist der Markt riesig und der „untere Teil“ nicht beschildert 😁. So liefen wir durch den Markt und es war erstaunlich: Obwohl wir sicher nur einen Bruchteil des Marktes sahen, war es die größte Auswahl an Fisch und Fleisch, die wir auf unseren Reise bisher gesehen haben. Und es gab hier alles: Neben unzähligen verschieden Fischarten sahen wir auch eher gewöhnungsbedürftiges wie Kaimann und Anaconda. Sehr beeindruckend! Dann war es ander Zeit, ins Hotel zurückkehren. Wir wollten gegen Mittag zum Schiff, unsere Schlafplätze sichern und dann zum Essen in die Stadt zurückkehren.

Gesagt, getan. Die Verabschiedung von Jaime, unserem deutschsprachigen Hotelchef, dauerte etwas länger. Es stellte sich heraus, dass er damals als Statist in Werner Herzogs Film „Fitzcarraldo“ mitgespielt hatte. Er bestätigte die Geschichten, die man aus Dokumentationen bereits kennt. Insbesondere die Spannungen zwischen Werner Herzog und seinem Hauptdarsteller Klaus Kinski sind legendär. Es war spannend, das von einem „Teilnehmer“ zu hören. Dann waren wir fertig und fuhren mit Gepäck zum Hafen. Unser Schiff wurde nach wie vor beladen. Wir packten unsere Sachen und gingen über eine Planke an Bord. Ich fragte den ersten, der nichts schleppte nach dem Kapitän, und siehe da: Er entpuppte sich als Chef der Administration. Ich fragte nach einer Kabine für zwei, woraufhin er für 10 Minuten verschwand. Zurück drückte er mir ein Vorhängeschloss mit Schlüssel in die Hand und zeigte uns die Kabine neben dem Kapitän (die doppelt so groß war und auch ein Büro enthielt). Ok. Drei Tage würden wir es hier aushalten. Es ging ja nur um einen Platz, um das Gepäck abzuschließen. Das warfen wir gleich auf die Pritschen und gingen von Bord, um unsere Hängematten zu kaufen.

Wir wurden am Stand auch gleich wiedererkannt und versorgt. Zurück an Bord hieß es nun, den besten Platz für die Hängematten auszusuchen. Wir hatten die Qual der Wahl, da nahezu alles frei war. Also: Wo waren die Treppen? Wo die Toiletten? Wo der Kiosk? Wo das Licht? So fanden wir einen unserer Einschätzung nach idealen Platz und ich hängte die Hängematten auf.

So waren wir jetzt bereit, zum Essen zu fahren (gegen 13:00). Doch was war das? Unser Schiff legte ab. Viel zu früh 😳. Aber halb so wild, es ging nur zwei Häfen weiter, wo eine Unmenge von Lebensmitteln eingeladen wurde. Nahezu zwei Stunden schleppten die Helfer Säcke und Kisten an Bord. Wie üblich mussten sie dazu auch wieder über ein anderes Schiff laufen.

Zeitgleich wurde auch getankt. Dazu legte eine Barke mit 20 Fässern auf der Seite an und ein Fass nach dem anderen wurde leergepumpt.

Neben uns lag eine schwimmende Hühnerfarm – richtige „freilaufende“ Hühner.

Nach zwei Stunden legten wir wieder ab und fuhren – fast zurück. Nein, einen Hafen weiter gab es noch einiges abzuholen. Tonnenweise Gemüse wurde eingelagert. Dann ging es zurück zum Startplatz und wir könnten um 16:00 von Bord ins Tuk Tuk und in die Stadt. Noch mt Geld versorgt und dann in das Touristenlokal No. 1 „Dawn of the Amazonas“. Dort gab es nun mal die größte Auswahl an Essen bei guter Qualität.

Gestärkt fuhren wir zurück zum Schiff. Immer noch wurde beladen, wir machten es uns bequem. Das Schiff bestand aus dem Ladedeck, darüber erstes Hängemattendeck mit Kiosk und unserem Hängemattendeck. Während auf unserem Deck keine zehn Matten gespannt waren, waren es unter uns gut belegt. Die Logik blieb uns fremd – außer uns waren noch eine weitere asiatische Touristin hier, sonst Einheimische.

Kurz vor 20:00 war es dann soweit. Knirschend und ächzend lösten wir uns vom Ufer und nahmen Fahrt auf, nach kurzer Zeit hatten wir den Hafen verlassen und befanden uns auf dem Amazonas. Bald schon schlief ich ein.

Tag 159 – Kulturtag in Iquitos

Heute stand Kultur auf dem Programm. Vorher hieß es aber noch, die Rucksäcke zu packen und abzustellen. Schließlich würden wir heute umgezogen werden, wir bekamen ein neues Zimmer.

Gesagt, getan und im Anschluss ging es ums Eck ins Zentrum. Iquitos erlebte einen Boom als Zentrum der Kautschukgewinnung ab etwa 1875, der knapp 30 Jahre anhielt. Auf dem Rücken der versklavten Indios erwirtschafteten die Kautschukbarone enorme Vermögen. Der Lebensstil war entsprechend. Es gab Opernhäuser, Kaviar und Pariser Kleidung. Manch einer schickte sogar seine Wäsche zum Waschen nach England. Zeugnis dieses Booms sind die restaurierten Häuser aus dieser Zeit mit ihren Jugenstilfassaden.

Beispiele sind z.B. Die Casa de Fierro, Casa Luis Morey, Casa Cohen oder Casa Fitzcarrald.

Am Ufer liegt das von außen unscheinbare Museo de Culturas Indígenas Amazónicas, das sich mit der Kultur der indigenen Völker am Amazonas grenzübergreifend beschäftigt. Dort verbrachten wir die nächsten beiden Stunden bei den ausgezeichneten Exponaten, eine TV-Dokumentation über das Leben der „freiwillig isolierten“ Indianer – also zurückgezogen wie früher im Dschungel lebend – lieferte einen imposanten Eindruck über das Leben im Dschungel abseits der Zivilisation.

Im Museum habe ich mir ein Armband gekauft. Das wurde in einer Gemeinde im Dschungel hergestellt.

Im Anschluss machten wir uns auf den Weg in das Lokal von gestern, um uns in der Hitze einen Refresher zu gönnen.

Leider stand nun neben Mango (wie auch schon gestern) heute auch noch Minze auf der Liste der fehlenden Zutaten. Kein Refresher, dafür Frapuccino, auch gut.

So gestärkt ging es zum Museo Barco. Es handelt sich dabei um ein Dampfschiff von 1906, das heute als Museum dient.

In den verschiedenen Ausstellungsräumen an Bord gab es eine Fülle an Informationen über den Kautschukboom und seine Auswüchse wie Versklavung und Dezimierung der Indianer.

Die Dampfschifffahrt, die in Iquitos um 1864 begann, war die Grundvoraussetzung für die Gewinnung und den Transport von Kautschuk. Vor den Dampfschiffen war eine Befahrung des Amazonas stromaufwärts wegen der starken Strömung nicht möglich.

Zum Museum gehört noch eine kleine Barke. Aus unseren Recherchen wussten wir, dass auch eine Seerundfahrt vom Schiff aus möglich wäre. Gefragt, getan – die Tour würde um 15:00 starten. Schön, da hatten wir noch etwas Zeit, um die Casa Morey gegenüber zu besichtigen. Das Haus ist heute ein Hotel und Restaurant und besticht durch die historische Ausstattung von der Eingangshalle bis hin zu den Zimmern.

Kurz darauf konnten wir an Bord der Barke gehen und wurden (exklusiv😉) um die Bucht geschippert.

Danach war es höchste Zeit für das Abendessen. Das gab es heute im Karma, ein Lokal mit angeschlossener/integrierter Kunstausstellung.

Nach einigen Snacks und Bieren liefen wir dann zurück zum Hotel.

Der Umzug hatte geklappt, wir waren nun im dritten Stock. Das Zimmer war eigentlich ein Dreibettzimmer und wesentlich größer als unser vorheriges.

Schön! Morgen Nachmittag würde es zu unserem Hafen gehen, vorher wollen wir vormittags den berüchtigten Markt von Belen ansehen.

Tag 158 – Vorbereitungen in Iquitos

Heute hatten wir uns vorgenommen, die Stadt weiter zu besichtigen, evtl. nach einer Tour für Morgen Ausschau zu halten, die Abfahrt des Schiffes zu klären und Hängematten und Zubehör zu organisieren. Dazu zählt neben Stricken für die Hängematten auch Besteck und Geschirr.

Dazu gingen wir nach dem Frühstück in Richtung der Häfen, die sich hinter den Häusern den Fluss entlangziehen. Auch der Marinehafen liegt dort, die Infotafel zeigte uns um 11:21 eine Temperatur von 31,3 Grad an.

Nach einer Stunde Spaziergang erreichten wir auch einen Hafen. Dort wurden wir allerdings weitergeschickt zum nächsten.

Als wir kurz darauf dort ankamen, sprach ich einen vor der Einfahrt sitzenden Mann an. Die Informationen der Touristinfo waren nicht ganz eindeutig, aber er konnte damit etwas anfangen. Kurzerhand nahm er mich an der Hand und wir liefen wieder zurück zu dem Hafen, von dem wir gerade kamen. Allerdings lief er mit uns durch die Blechhalle, die den Eingangsbereich markierte direkt zum Ufer. Und da lagen sie: Die Amazonasdampfer.

Unsere Gran Loretana legte gerade an. Ich gab unserem „Guide“ ein paar Soles (peruanische Währung) und wir sahen uns die Ankunft des Schiffes an. Das würde also ab Samstag für mind. 72 Stunden unser Zuhause sein.

Als das Schiff anlegte, sprang sofort ein ganzer Schwarm von Ladehelfern an Bord. Wie in einem Ameisenhaufen ging es nun zu. Ein Strom von Passagieren verließ mit allerlei Gepäck das Boot, ein Rudel Tuk-Tuk-Fahrer nahm die meisten auf und fuhr sie wohin sie wollten, Proviant und Gepäck wurde schon wieder auf das Schiff gebracht. So würde es hier jetzt zwei Tage zugehen, bis die Gran Loretana am Samstag um 18:00 nach Santa Rosa aufbrechen würde.

Auffällig auf der ganzen Reise bisher entlang von Napo und Amazonas war das Fehlen jeglicher Hilfsmittel wie z.B. Sackkarre. Die zentnerschweren Lasten, ob Getränke, Bananen oder Möbel, wurden zwischen den Transportmitteln ausnahmslos auf dem Rücken getragen.

Beeindruckt von der Betriebssamkeit sahen wir uns nun in der Blechhalle um. Hier gab es alles zu kaufen, was wir benötigen würden. An einem Stand fanden wir Hängematten, Seile, Besteck/Geschirr. Wir klärten den Preis und entschlossen uns, die Sachen am Samstag zu kaufen.

Jetzt liefen wir die Hafenstraße wieder zurück ins Zentrum, vorbei an unserer Ankunftsstelle.

Wir hatten uns eine Erfrischung verdient.

Bereits gestern hatten wir herausgefunden, warum uns in diesem Touristenzentrum kaum Touristen auffielen. Wenn sie nicht auf Dschungeltour waren, saßen sie alle in einem der Cafés/Restaurants am Flussufer. Hier ließen wir uns nun auch auf einen Refresher (Saft aus Ingwer, Minze und Limetten) und Toast nieder.

An diesem Ort treffen sich neben den zehn anwesenden Touristen allerdings eine mindestens ebenso große Anzahl von Souvenirverkäufern, Straßenmusikanten und Touranbietern – das war der Vorteil der zweiten Reihe-Lokale, man hat da seine Ruhe unter Einheimischen.

So gestärkt gingen wir am Malecon (Uferpromenade) weiter entlang und über einen kleinen Umweg über die Bank (Geld abheben) zurück zum Hotel.

Zwischendurch hatten wir uns in einer Agentur noch über Ausflüge informiert und dann dankend abgelehnt. Iquitos als der peruanische Eingang zum Dschungel hat als Schwerpunkt – oh Wunder – Dschungeltouren. Da wir aber gerade aus dem Dschungel kamen, stand uns der Sinn nicht nach Affen, Delfinen, Spinnen oder Ähnlichem. Wir würden unsere zwei Tage bis zur Abfahrt noch mit Markt, Museen und Cappuccinos verbringen.

Nach einer kurzen Siesta im Hotel war es auch schon wieder Abendessenszeit. Da die Casa de las Enchiladas uns am Vortag gut gefallen hatte, liefen wir auch heute wieder da ein. Fleisch, Wurst, Hühnchen und Pommes satt. Auf den Schiffen würde es wieder ausschließlich Reis und Kochbananen geben.

So ging der Tag zu Ende und wir schlenderten zurück ins Hotel.

Tag 157 – Ankunft in Iquitos…

Um 6:00 standen wir auf und packten unsere Sachen. Neben der ohrenbetäubenden Beschallung bis um 2:00 verhinderte auch das durchgehend brennende Licht im Flur einen erholsamen Schlaf.

Wir verließen das Hostal, nahmen das erste Tuk-Tuk und führen nach Indiana zum Hafen. Dort bekamen wir gleich ein Schnellboot.

Nach einer Stunde waren wir vor 9:00 in Iquitos am Hafen. Wir quetschten uns mit unserem Boot zwischen zahlreiche andere und machten fest. Wieder einmal über Planken und auch noch eine steilenTreppe ging es nach oben ans Ufer. Zu unserer Überraschung befanden wir uns am Ende einer Markthalle. Wir gingen durch sie hindurch und befanden uns nun auf der Straße. Passenderweise fing es auch wieder zu regnen an. Wir nahmen uns ein Tuk-Tuk und fuhren zum Hotel unserer Wahl.

Zum Glück war ein Zimmer frei – reserviert hatten wir wegen der Unwägbarkeiten bei den Flussreisen nicht. Überraschung: Der sehr freundliche Besitzer spricht deutsch.

Das Zimmer war zwar noch nicht bezugsbereit, aber wir könnten noch ein Frühstück bekommen. Herrlich: Kaffee mit heißer Milch (schon fast Schaum 😉), ein Rührei mit allem, Saft und einer wunderbaren Baguettesemmel (beste Semmel in Südamerika bisher). So gestärkt konnten wir bald darauf unser Zimmer beziehen.

Ruhig nach hinten gelegen bietet es nicht den besten Ausblick, aber hoffentlich einen hohen Erholungsfaktor. Zuerst war langes Duschen angesagt und Waschen. Mit Klimaanlage könnten die Sachen evtl. trocken werden.

Dann dösten wir so vor uns hin und recherchierten zu Iquitos und Amazonas. Ab 14:00 wurde Ajax Amsterdam-Tottenham Hotspurs live übertragen. Hier gönnten wir uns fast die erste Halbzeit. Dann ließ die Wirkung des Frühstücks nach, es stellte sich Appetit ein. Also raus aus der klimatisierten Zone auf die Straße. In Iquitos bestehen m.E. 80% des Verkehrs aus Tuk-Tuks. Teilweise erinnern die Szenen an den Ampeln an Südostasien.

Nicht weit vom Hotel fanden wir ein Lokal, dass eine große Auswahl an Speisen OHNE REIS UND OHNE HÜHNCHEN anbot. Das könnten wir nun wirklich nicht mehr sehen. Es gab Nudeln mit Lomo (Fleisch) und einen Hamburger mit Wurst. Mmmmh – endlich wieder Geschmack. In dem Lokal (übrigens 7/24h Betrieb) gab es etwa ein Dutzend Monitore, die Fußball übertrugen. Der Laden war voll, die Mehrzahl der Gäste bejubelte die Aufholjagd und den Sieg der „Spurs“.

So gestärkt gingen wir durch das Zentrum und fanden auch schnell die Touristenauskunft iPeru. Auf unsere Anfrage „Wie kommen wir am Amazonas weiter“ drückte uns die nette Dame einen Zettel in die Hand mit allen Informationen.

Das Slow Boat fährt Montag – Samstag um 18:00 ab und kommt drei Tage später in Santa Rosa an. Das ist der Grenzort Perus im Dreiländereck zu Kolumbien und Brasilien.

Wir werden uns wohl – falls verfügbar- eine Kabine gönnen. Das hat Vorteile wie eigene Toilette, Bett und Sicherheit für das Gepäck. Trotzdem werden wir uns Hängematten für tagsüber besorgen. Reservieren kann man das Boot nicht, Tickets erhält man beim Einsteigen.

Jetzt gilt es zu überlegen, wann wir abfahren.

Im Anschluss ging es an den Fluss und den teilweise hübsch anzusehenden Malecon entlang (Uferpromenade).

Nach dem Spaziergang gönnten wir uns nach langer Zeit wieder einen Pisco Sour. Den gab es in Ecuador einfach nicht. Übrigens waren wir über sechs Wochen in Ecuador und das nahezu ohne Bergsteigen). Soll heißen: Länger als erwartet. Das Land ist relativ klein, die Transporte dauern aber auch relativ lange.

Abends war am Hauptplatz der Springbrunnen in Betrieb, die Kirche wurde angestrahlt. Diese Bilder nahmen wir auf unserem Weg ins Hotel noch mit.

Dann hieß es Berichte schreiben und planen. Insbesondere das Hochladen der Bilder beschäftigte noch für Stunden (seeeehr langsames WIFI).

Tag 156 – Auf dem Rio Napo nach Mazán

Um 3:15 ging endlich der Wecker. Es regnete. Wir verpackten unsere Sachen wasserfest, verließen die äußerst schmuddelige Unterkunft und gingen mit Taschenlampen vor die Tür. Über einige Treppen ging es weiterhin bei strömendem Regen und absoluter Dunkelheit nach unten zum Ufer und über eine Planke auf das Boot. Wir waren die ersten. Die Rucksäcke wurden verstaut und wir nahmen schon mal Platz auf den zugewiesenen Sitzen.

Nach und nach trudelten noch drei Leute ein. Da das Boot neben uns fünf Menschen auch noch diverse Pakete, Rasenmäher und einen Bootsmotor transportierte, war es am Bug auch schon eng. Darüber hinaus werden mit diesen Booten auch noch Briefe und sogar Geld transportiert (letzteres in kleinen Plastiktütchen). Gegen vier legten wir ab. Zur Orientierung auf dem breiten und rasch dahinfließenden Rio Napo leuchtete der Kapitän immer wieder mit einem Handscheinwerfer nach den Seiten und nach vorne. Nach wie vor war strömender Regen, unseren Zeitplan – Ankunft um 19:00 in Mazán- würden wir nicht halten können, eine Übernachtung in Mazán würde sicher fällig werden.

So dösten wir vor uns hin, um 6:00 ging die Sonne über dem Dschungel auf und wir hielten immer wieder am Ufer, um Leute ein- und Aussteigen zu lassen bzw. um Ware/Geld abzuliefern oder anzunehmen.

Nach der schlaflosen Nacht schliefen wir zwischendurch immer wieder ein. Auch an Essen war gedacht. Zum Frühstück wurde ein im Bananenblatt verpackter Reis mit Hühnchen gereicht.

So vergingen die Stunden. Immer wieder regnete es kurz und heftig, die seitlichen Plastikplanen machten wir daher mal runter und mal wieder hoch.

So betrachteten wir stundenlang das Treiben am vorbeiziehenden Ufer des Rio Napo. Erstaunlich, wie viele Menschen unter einfachsten Bedingungen hier in ihren Hütten leben. Welch ein Kontrast zum durchschnittlichen mitteleuropäischen Leben.

Gegen Nachmittag war das Sitzfleisch durch die durchgesessenen Sitze schon arg strapaziert und die Suche nach der passenden Position wurde schwieriger. Das Tanken nutzte ich gerne zu einem kleinen Spaziergang.

Als es um 18:00 die Sonne unterging, wurde die Navigation erneut schwieriger. Bei Hochwasser wachsen den Flüssen hier viel Nebenarme, das macht es ebenfalls nicht leichter. Als dann auch noch Nebel hinzukam, drosselten wir die Geschwindigkeit und es ging im „Schritttempo“ weiter, immer wieder den Handscheinwerfer benutzend. Einige wenige Boote waren ebenfalls noch auf dem Fluss, mit Lichtzeichen und Rufen ging am sich aus dem Weg. Dieser spannende Teil dauerte etwa eine Stunde bis 19:00 und dann schlief ich erneut ein. Als ich aufwachte, war der Himmel klar und ich wähnte mich auf einem riesigen See – links und rechts nur Wasser. Aber: Vor uns eine Lichterreihe am Ufer, das musste Mazán sein. Richtig, das war Mazán. Wir legten nach 20:00 und knapp 500km auf dem Fluss an einem Bretterverschlag an und unser Bootsbegleiter ging mit uns über die Planken auf die Straße. Gegenüber der Anlegestelle war ein Hostal. Für 20 Soles bekamen wir ein Zimmer. Da die Zimmer nach oben hin nicht abgeschlossen sind, ist es mehr ein Schlafsaal mit Brettern dazwischen. Beim Beziehen der Unterkunft die Überraschung: Es war nur ein normales Einzelbett im Raum. Ja, das ganze Hostal bestand ausschließlich aus solchen Boxen. Auf Touristen ist man hier definitiv nicht eingerichtet.

Wir gingen die einzige Straße entlang und fanden ein paar Häuser weiter einen Laden, der Bier verkaufte und ein paar Stühle vor der Tür hatte. Da ließen wir uns mit unserem Schlummertrunk nieder und schlossen noch Freundschaft mit der scheuen Nackthündin des Lokals.

Anschließend ging es zurück ins Hostal. Mittlerweile hatte in unmittelbarer Nachbarschaft ein Nachtclub seinen Betrieb aufgenommen und beschallte uns mit ohrenbetäubender Musik. Unsere Erschöpfung von der schließlich 16-stündigen Bootsfahrt half uns trotzdem einzuschlafen. Morgen würden wir früh mit einem Tuk-Tuk zum 8km entfernten Hafen fahren. Dabei handelte es sich um einen anderen Ort, Indiana. Von dort aus gehen die Schiffe nach Iquitos (Schnellboot, eine Stunde).

Tag 155 – Letzte Touren und Abschied

Das Wetter zeigte sich heute von seiner besten Seite, eine Vogelbeobachtungstour stand nichts im Wege (bei Regen zeigen sich die Tiere nicht, wir wären länger liegengeblieben). Mit dem Boot ging es die Flussarme rauf und runter, immer wieder nur mit dem Paddel. Wir sahen und vor allem hörten wir eine Vielzahl von Vögel. Die Stimmung am Morgen ist ganz besonders schön.

Am imposantesten war allerdings die Geräuschkulisse von zwei benachbarten Affenhorden, die lautstark ihr Revier markierten. Insgesamt sahen wir auf dieser Tour vier verschiedene Affenarten, u.a. Kapuzineräffchen.

Jetzt ging es zurück zum Frühstück und dann stand unser letzter Walk auf dem Programm, eine 3-4 stündige Dschungeltour. Gleich zu Beginn zeigt uns Wilson einen besonderen Baum. Er schneidet in die Rinde und der Baum blutet…. Diese Flüssigkeit benutzt man im Dschungel wenn man tiefe Verletzungen – zum Beispiel durch die Machete verursacht – hat oder als Sonnenschutz.

Der Zugang muss sich aktuell hart erkämpft werde, da das Wasser nahezu überall steht und unzählige Behelfsbrücken und Steg aus hingeworfenen Baumstämmen überquert werden müssen. Wilson unser Guide baut uns oft Behelfsgeländer aus Stöcken. Man muss mit den rutschigen, schlammigen Gummistiefeln auf den Baumstämmen balancieren.

Wilson hat sich einen Wurm ans Ohr gehängt.

Ein Baumstamm voller Stacheln

An dieses Schlammloch kommen oft Tiere wie Jaguar, Tapir….aber heute ist niemand da

Hier haben wir eine Pause gemacht und Wilson hat uns aus einem Pilz dieses Abschiedsgeschenk gemacht und überreicht.

Dann ging es zurück zur Lodge. Dort angekommen hatten wir noch eine Stunde bis zum Mittagessen. Das hieß für uns die Hosen und Socken auswaschen. Die waren voller Schlamm. Und heute scheint die Sonne und wenn wir Glück haben, trocknen die Sachen noch.

Vor unserer Lodge gefunden

Nachdem Mittagessen ging ans Packen und Abschied nehmen. Von unseren sechs russischen Freunden blieben vier in der Lodge, zwei nutzten die Gelegenheit zu einem Kurzausflug nach Peru, u.a. um Bier einzukaufen 😁.

Gegen 15:00 kamen wir in Pantoja/Peru an. Kurze Anmeldung beim Militär durch unseren Bootsführer und runter vom Boot. Gegenüber der Bootsanlegestelle fand sich gleich eine Unterkunft mit wenig Kakerlaken. Mehr gab’s hier nicht, dafür unschlagbar günstig für 5$ pro Person.

Zu unserer großen Freude ging das nächste Boot am nächsten Tag um 4:00, wir würden mit einer Nacht hier auskommen. Nicht ganz eine Nacht, da Aufstehen um 3:30 angesagt war. Der Bootsführer hatte sich schon eingefunden, unsere Ankunft hatte sich schnell herumgesprochen. Die weniger gute Nachricht: Mittlerweile wurde der Fahrplan geändert, es gab keine Zwischenübernachtung in Santa Cloltilde mehr, d.h. mindestens 15 Stunden Fahrt auf dem kleinen Boot.

Der nächste Weg führte uns zum Migrationsbüro, wo wir unseren Einreisestempel erbaten. Das Prozedere hier hätte einem internationalen Flughafen gut angestanden.

Bild wurde gemacht, Fingerabdrücke genommen und dann gab es den Stempel. Alles superfreundlich und professionell. Hurra! Jetzt waren wir legal in Peru!

Dann war es Zeit, uns zu verabschieden von Guide Wilson, unserem Bootsführer und unseren beiden russischen Begleitern. Alle waren uns nach drei Tagen und Nächten schon ans Herz gewachsen, also großes Drücken und Winken!

Den Ort besichtigt (10 Minuten) und ans Ufer gesetzt, dann noch Semmeln eingekauft und Bierchen in einem „Restaurant“ getrunken – und früh ins Bett

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Geschlafen wurde wenig, zwischendurch kamen die obligatorischen Unwetter, das Prasseln des Regens hörte sich an wie ununterbrochenes Donnern. Außerdem war es furchtbar heiß in dem Zimmer.

Na, auf diese Bootsfahrt war ich nun mal gespannt.

Tag 154 – Im Yasuni Nationalpark

Nach Katzenwäsche um 5:15 und Packen ging es um 6:00 mit einem Boot zurück zum Rio Napo. Nach einer guten Stunde erreichten wir unser erstes Ziel: einen 40m hohen Aussichtsturm mitten im Dschungel.

Neben dem atemberaubenden Ausblick ermöglicht diese erhöhte Position tolle Vogelbeobachtungen.

Wir sahen Tukane, Papageien, Affen und einiges mehr. Zum fotografieren leider zu weit weg. Im Anschluss ging es im Eilmarsch quer durch den Dschungel, da Hector eine große Pekari-Herde (Nabelschweine) ausgemacht hatte (über 100 Tiere). Dummerweise sind die Tiere aber ziemlich scheu. Als sie uns kommen hörten, hörten wir noch ein Riesengequieke und Getrampel, sahen aber nichts mehr…

Gesehen haben wir aber wieder eine ganzenReihe von tollen Insekten und Pflanzen. Die Insekten und Frösche sind wahre Meister der Tarnung und ohne die fachkundigen Augen unseres Guides wären wir des Öfteren an einem Blatt oder einem Grashalm vorbeigegangen.

Unser nächstes Ziel war Nuevo Rocafuerte, eine Grenzstadt am Rio Napo, wo wir alle Mittagessen und Sandra und ich hoffentlich unseren Ausreisestempel in den Pass bekommen. Der Ort ist die Geburtsstadt des aktuellen Präsidenten Lenin Moreno und daher ziemlich bekannt. Aktuell wird die Uferpromenade gerade gebaut, d.h. Vor dem Restaurant war eine große Baustelle.

Die Grenzstation war ein Büro am anderen Ende des Ortes. Wir liefen hin, das Büro war verschlossen. Nebenan gab es ein Dormitorio de Migración, was wir als Schlafsaal identifizierten. Nach wiederholtem „Buenos Tardes“ Rufen öffnete sich die Tür und ein Jugendlicher Grenzbeamter in Turnhose und T-Shirt öffnete uns. Obwohl wir ihn vermutlich aus seinem Mittagsschlaf gerissen hatten, war er keinesfalls unfreundlich und öffnete sein Büro.

In einem großen Buch vermerkte er unsere Daten, prüfte sorgfältig seinen Stempel und gab uns den erforderlichen Eintrag in unsere Pässe.

Im Anschluss ging es mit dem Boot – wie sonst – zu unserer nächsten Unterkunft den Rio Aguarica entlang. Erste Station war hier eine Kommune, die als Attraktion die Flussdelfine angefüttert hatte. Hier konnten wir die seltenen Flussdelfine mit Fischstückchen füttern.

Jetzt heißt es wieder Boot wechseln.

Danach fuhren wir zu unserer Unterkunft, wo wir die Zimmer bezogen und zügig weiterfuhren zum nächsten Programmpunkt: Angeln.

Die momentanen hohen Wasserstände sind allerdings nicht besonders hilfreich, sodass wir erfolglos nach einer Stunde abziehen mussten. Welch ein Unterschied zu unserem Aufenthalt in 2014, wo wir bei einem Ausflug im Minutentakt die Piranhas aus dem Fluss zogen.

Na, Abendessen gab es dann trotzdem und weiter ging es mit einer Nachtwanderung hinter der Lodge in den Dschungel. Nachts erlebt man den Dschungel noch intensiver, die Geräuschkulisse ist einfach beeindruckend.

Nach langem Tag ging es früh ins Bett, morgen hieß es zur Vogelbeobachtung um 5:30 aufstehen.