Tag 164 – Wir verlassen Kolumbien

Obwohl das Schiff erst um 12:00 abfährt, beginnen unsere Formalitäten bereits um 8:00. Frühstück war daher bereits um 7:00 angesagt. Beim Frühstück bot uns unser Gastgeber Carlos an, dass er uns ein Moto Taxi rufen könnte, dass uns vom Hotel zur Migration Kolumbien und weiter nach Brasilien zur Migration und zum Hafen bringen könnte. Da das die Logistik enorm vereinfacht, sagten wir zu und kurz vor 8:00 steht unsere Taxista vor der Tür.

Die Ausreise am Hafen war in 20 Minuten erledigt, die Einreise ging ähnlich schnell und so waren wir gegen 9:00 nach zwei Tagen Kolumbien offiziell in Tabatinga/Brasilien am Hafen angekommen.

Wir reihten unser Gepäck ein und gingen mit Ticket und Pässen zu einem Uniformierten ins Büro. Der händigte uns jeweils ein Ticket „Geprüfter Passagier“ aus und so warteten wir in der Halle.

Unser Boot lag vor uns, an Bord waren allerdings nur etwa 10 schwer bewaffnete Soldaten mit ernsten Mienen zu sehen. Nach etwa 1,5 Stunden warten war es soweit. Die Passagiere wurden aufgefordert, samt Gepäck zum Pier zu kommen.

Das Gepäck wurde wieder aufgereiht und Pässe und Tickets bereitgehalten. Außer uns waren noch Joey aus Australien und Marc aus den Vereinigten Staaten als erkennbare Nicht-Latinos am Pier.

Nachdem ich die Frage des Kommandanten nach gefährlichen Dingen wie Waffen, Drogen, etc. im Gepäck verneinte („Sicher nicht? – Nein!“), konnten wir mit Gepäck an Bord. Marc und Joey wurden übrigens durchsucht.

An Bord wurden wir von einem Empfangskomitee begrüßt und mit einem Armband versehen. Im Vergleich zu unserer letzten Schifffahrt von Iquitos nach Santa Rosa mutete das hier schon wie eine Kreuzfahrt an (@Marlies/Wolfgang: Keine von den Kreuzfahrten wie Ihr sie kennt). Wir wurden nach oben geführt und eine Kabine wurde aufgesperrt. Welch ein Unterschied zu unserer Kabine in Peru. Es gab Bett mit Laken, Kühlschrank, Klimaanlage und Fernseher (ein Programm). Das würde also für 3-4 Tage unser Reich sein.

Um uns unseren Platz an Deck zu sichern, packten wir gleich unsere Hängematten aus und befestigten sie. Von unserer Empfangsdame – gleichzeitig die Köchin – erfuhren wir, dass es heute noch kein Mittagessen gäbe, erst ein Abendessen stünde auf dem Plan. Das war übrigens nicht so einfach, da die Dame ausschließlich Portugiesisch sprach (für uns gleichbedeutend wie Chinesisch).

Wir gingen also nochmal von Bord und holten uns in der Empfangshalle noch mit Wurst, Reis und Hühnchen gefüllte Teigtaschen. Mmmmmmmh!

Zurück an Bord betrachteten wir das Treiben und gegen 12:30 legten wir fast pünktlich ab.

Wir machten es uns in unseren Hängematten bequem und schauten dem Dschungelufer beim Vorbeigleiten zu.

So schaut es auf dem Deck unter uns aus.

Auf unserem Deck befand sich auch ein Kiosk, der mich am Nachmittag mit einem Hamburger versorgte.

Wir machten noch zwei Stopps und luden Menschen und viel Leergut ein. Das untere Deck wurde immer voller.

Nachdem ich zwischenzeitlich eingeschlafen war, weckte mich Sandra mit dem Hinweis, es gäbe Abendessen. Abendessen jetzt – um 16:30?

Tja, das mit der Zeit ist hier etwas verwirrend. Bis vor zwei Jahren hatte Tabatinga die Uhrzeit von Manaus, also eine Stunde vor der Nachbarstadt Leticia in Kolumbien. Da das für den kleinen Grenzverkehr eher hinderlich war, wurde die Zeit synchronisiert mit der Schwesterstadt, also eine Stunde zurück. Auf unserem Schiff aus Manaus gilt aber wohl die dortige Zeit, also ist es jetzt eine Stunde später. Dies verwirrt nicht nur uns etwas, sondern auch IPhone und Garmin, die munter zwischen den Zeiten hin- und herspringen.

Also gut- Abendessen. Wir holten unsere Plastikboxen und Besteck aus der Kajüte und gingen runter zur Küche. Vor der Küche befand sich eine riesige Warteschlange. Da wir unserer eigenes Geschirr dabei hatten, wurden wir sofort eingelassen und bekamen eine Suppe mit Nudeln, Rindfleisch und Reis. Damit machten wir uns wieder nach oben zu unserem Deck und stellten uns einen Tisch und Stühle an die Reling. Hier saßen wir also und aßen in der heranziehenden Dämmerung vor der Dschungelkulisse unser erstes Abendessen auf dem Amazonas.

Alle waren sehr freundlich, die Frage nach heißem Wasser allerdings wurde wieder zur Geduldsprobe. Mit Spanisch kam ich hier definitiv nicht weiter. Der Verweis auf meine Thermosflasche war die Lösung. Sie würden mir nach der Essensausgabe die Flasche vorbeibringen – mein Abendkaffee war gerettet.

Zwischenzeitlich gönnten wir uns unsere ersten brasilianischen Biere aus niedlichen Dosen (269ml).

Schon lagen wir wieder in den Hängematten und dösten vor uns hin. Zwischenzeitlich unterhielten wir uns mit Joey und Marc. Zum wiederholten Male stellten wir fest, dass sowohl der Begriff Sabbatical als auch das Prozedere außerhalb Europas unbekannt war und einiger Erklärungen bedurfte.

An Deck begann nun das Abendprogramm. Menschen spielten Karten, ein Fernseher vor dem Kiosk zeigte ein Fußballspiel und Mütter kümmerten sich um ihre kleinen Kinder (wovon es eine ganze Reihe gab).

Für uns stellte sich nun die Frage nach dem Schlafplätze. Würden wir in der Hängematte schlafen oder in unsere Kabine gehen? Wir entschlossen uns, in der Hängematte einzuschlafen und – sobald aufgewacht – in die Kabine zu wechseln und diese auszutesten. Wie man an Deck in einer Hängematte schläft, wussten wir schon.

Bald war es auch soweit – wir schliefen ein. Gegen Mitternacht wachten wir auf und gingen in die Kabine…

Tag 163 – Kleiner Grenzverkehr und Vorbereitungen für die Weiterreise

Am Frühstückstisch saßen wir zu viert und alle sprachen deutsch. Auch mal schön. Und das Frühstück bekommt man im Wohnzimmer des Hostelbesitzers Carlos. Der hat uns eine Art Yucacrepe gefüllt mit Rührei und Käse zubereitet. Nach dem Frühstück sind wir dann losgelaufen. Da der Himmel schon ziemlich grau aussieht, nehmen wir mal gleich die Schirme mit. Als erstes ging es ins Zentrum von Leticia zu einer Wechselstube. Wir hatten ja noch peruanische Soles. Die haben wir in brasilianische Reales gewechselt. Übrigens zu einem hervorragenden Kurs. Dann laufen wir nach Tabatinga. Das ist schon in Brasilien.

Wir mussten in Tabatinga noch eine ganze Weile laufen bis wir den Hafen bzw. einen Hafen gefunden haben.

Aber wo sind die großen Boote und wo gibt es die Tickets? Wir laufen noch weiter. Immer wieder gibt es kleine Märkte. Irgendwann fragen wir. Was ja nicht so einfach ist. Denn in Brasilien spricht man kein spanisch sondern portugiesisch. Aber es ging und wir wurden weiter geschickt, da der Hafen, den wir suchen wirklich ganz hinten ist. Dann noch an einem Fußballplatz und einer Baustelle vorbei und endlich sind wir da. Hier ist zum Glück eine Frau, die spanisch spricht. Wir lassen uns alles erklären und reservieren eine Kabine. Dann zeigt sie uns das Schiff. Die Oliveira II läuft morgen 12:00 Uhr aus.

Sieht aus der Ferne komfortabel aus. Aber wir stellen uns darauf ein, dass es sonst an Bord so wie auf dem letzten Schiff ist. Jetzt müssen wir einen Geldautomaten suchen , Geld holen , dann zurück und Tickets kaufen. Wir müssen wieder zurück zur Hauptstraße. Immer wieder regnet es. Dann finden wir endlich die Bank. Doch leider spuckt keiner der Geldautomaten Geld aus. So ein Mist. Das heisst wir müssen zurück nach Leticia, dort kolumbianische Pesos am Geldautomaten ziehen und in der Wechselstube tauschen. Es regnet in Strömen. Zum Glück kommt gerade ein Bus. Den halten wir an. Drüben in Leticia gehen wir zum Geldautomaten und heben 1,3 Millionen kolumbianische Pesos ab. Dann geht es wieder zur Wechselstube, um in brasilianische Reales zu tauschen. Auch hier ist der Kurs besser als der offizielle. Bevor es zurück nach Brasilien geht, essen wir etwas. Dann suchen wir den Bus und fahren wieder rüber, Laufen zum Hafen und kaufen die Tickets. Jetzt wieder zurück nach Leticia. Mittlerweile ist es Nachmittag und wir sind echt durch. Also ab ins Hostel und Pause. Ich schlafe erst einmal.

Später gehen wir noch einmal raus. Erst in ein Café und dann wollen wir hoch auf den Kirchturm. Wir haben gelesen, dass JEDEN Abend zum Sonnenuntergang Zehntausende Papageien aus dem Dschungel nach Leticia kommen. Sie fühlen sich hier sicherer. Das wollen wir uns anschauen. Schon auf dem Weg zum Park und zur Kirche überall Geschnatter. Dann geht es wieder steile Treppen und Leitern durch den Glockenturm bis ganz nach oben.

Und dann sind wir oben.

Dann geht es los. Wirklich Zehntausende kleine grüne Papageien kommen aus dem Dschungel. Es ist ein irres Geräusch, der Himmel verdunkelt sich.

Es ist ein irres Schauspiel und Erlebnis, dass sich nicht in Bildern darstellen lässt. Schwärme von Papageien fliegen in großer Höhe synchron und stürzen dann wie Steine vom Himmel an uns im Turm vorbei in die Bäume. Wir gehen runter in den Park. Hier sehen wir, das alle Bäume komplett voll mit den Papageien sind. Jeder Platz an jedem Ast ist besetzt.

Als es dunkel ist gehen wir. Wir nehmen uns ein TukTuk und fahren ins Hostel. Wir holen uns noch ein Bierchen und setzen uns vor unser Zimmer. Dann kommt Danny aus Deutschland vorbei und wir unterhalten uns lange Zeit.

Morgen geht es dann aufs Boot. Geplant sind 4 Tage und 3 Nächte. So das wir am Samstag in Manaus sind. Morgen früh müssen wir erst hier ausreisen. Dann in Tabatinga zum Flughafen und in Brasilien einreisen. Da es in Brasilien strenge Kontrollen gibt, müssen wir schon 09:00 Uhr am Schiff sein.

Tag 162 – Ankunft in Leticia in Kolumbien

Mit langen Sachen war die Nacht viel angenehmer. In dieser Nacht war viel Bewegung. Unser Deck hat sich ganz schön gefüllt. Kurz nach fünf sind wir aufgewacht und aufgestanden. Wir standen gerade. Daher mussten wir ja schauen, ob wir schon in Santa Rosa unserem Zielhafen sind. Nein, aber kurz davor. Die Jungs sind gerade beim Ausladen der Rinder und Schweine.

Halb sieben waren wir dann am Zielhafen. Hier ist nichts weiter, außer ein Militärschiff. Jetzt sind wir im Dreiländereck. Wir sind noch in Peru. Gegenüber ist Kolumbien und direkt daneben Brasilien. Alles zwei Minuten mit einem Boot entfernt. Wir packen unsere Sachen und dann schauen noch dem bunten Treiben beim ausladen zu.

Ich staune noch wie die Menschen über mehrere Boote balancieren und wenige Minuten später balanciere ich selbst über diese Boote. Uns hat einer angesprochen, ob wir nach Santa Rosa zur Migration müssen…..Jaaa, und schon saßen wir bei ihm im Boot.

Die Fahrt dauert nur drei Minuten. Dann sind wir in Santa Rosa (Peru).

Es ist 07:06 Uhr und die Migrationsstelle macht erst um acht Uhr auf.

Schräg gegenüber sehen wir ein Restaurant. Da gehen wir hin. Plötzlich ein bekanntes ächzen über uns…oh ein Ara.

Das Restaurant hat noch geschlossen und es wird fleißig geputzt. Wir dürfen dennoch rein und etwas bestellen. Wir nehmen zwei Kaffee mit Milch und ein unaussprechliches Gericht. Dann kommen zwei Tassen mit heißer Milch und löslicher Kaffee und zwei große Bälle. Ist so ähnlich wir Kartoffelkloß. Wir suchen und buchen noch ein Hostel. Und dann schauen wir nach gegenüber zur Migration und die Tür ist auf. Also gehen wir hinüber, um unseren Ausreisestempel zu holen. Dann gehen wir wieder zur Bootsanlegestelle und lassen uns rüber nach Leticia nach Kolumbien bringen.

Direkt an der kolumbianischen Migration werden wir abgesetzt. Also holen wir uns gleich den Einreisestempel. Dann laufen wir einige Straßen bis zu einem Bankautomaten. Wir brauchen ja Geld. Hier in Kolumbien hat man viel Geld in der Tasche. Und es sind ungewöhnliche Höhen. Was ich meine ist…. 4000 Kolumbianische Peso sind 1 Euro. Dann schnappen wir uns ein Tuk Tuk und lassen uns zum Hostel bringen. Dort werden wir freundlich begrüßt, bekommen erst einmal ein Glas Wasser und können dann gleich ins Zimmer.

Die klammen Sachen aufhängen und duschen. Dann Berichte nacharbeiten – die Bilder der letzten Berichte sind jetzt online. Am frühen Nachmittag gehen wir und suchen uns ein Lokal. Das erste Lokal in dem wir sitzen, verlassen wir wieder, denn es kommt keiner zum Bedienen. Dann halt doch wieder die Hähnchenbraterei. Danach gehen wir noch einen Kaffee trinken und drehen eine Runde durch den Ort.

Dann sind wir zurück zum Hostel. Morgen gehen wir rüber nach Tabatinga (Brasilien, halbe Stunde Fußweg) und erkundigen uns wann ein Boot nach Manaus fährt.

An unsere Mamas: Alles Liebe zum Muttertag nachträglich. 🥰🎂🎈💕❤️🍷💐

Tag 161 – Das Leben am und auf dem Amazonas

Die erste Nacht auf dem Schiff in den Hängematten haben wir gut überstanden und doch einige Stunden geschlafen. Allerdings war es echt kalt. Wenn das Schiff mal Fahrt aufnimmt ( 25 Km/h) dann zieht es ganz schön….. Und das obwohl wir ringsum noch alle Planen runter und fest gemacht haben. Eigentlich wollte ich mir gestern ja auch noch ne Jacke und ne Hose holen, doch dann bin ich schneller eingeschlafen wie gedacht. Und in der Nacht wollte ich dann nicht mehr raus…. Ich habe mich dann in meine Hängematte eingehüllt, so gut es ging. Und als es dann heute am Morgen endlich hell wurde, war ich echt froh das die Nacht vorbei war.

Nach einer schnellen Katzenwäsche schauten wir dem Treiben zu. Ach ja, die Toiletten sind quasi Dusche und Toilette. Aber mit dem braunen Amazonaswasser wollten wir nicht duschen. Und einladend sind die Toiletten- Duschen auch nicht.

Diese Riesenlibelle entdecke ich an der Lampe.

Das Treiben auf dem Schiff: Also spätestens alle halbe Stunde halten wir an einem Dorf. Menschen steigen zu und aus. Und es werden ALLE Arten von Waren und Tieren aufgeladen. Und das alles schleppen vier Jungs. Da schauen wir interessiert zu.

Wenn wir fahren schauen wir aufs Wasser und in den Dschungel.

Gegen 07:30 Uhr kommt dann Jemand mit Frühstück vorbei. Es gibt eine Semmel mit einer Scheibe Schinken und eine weiße dicke undefinierbare Brühe. Ok, wir trauen uns und trinken. Mh…. schmeckt nach Früchten. Also besser wie gedacht. Übrigens brauchten wir noch nicht unser Geschirr. Bisher gab es noch alles. Nachdem Frühstück schauen wir wieder beim Be – und Entladen zu.

Und dann liegen wir mal wieder in den Hängematten und schwups schon wieder eingeschlafen.

Hinter uns schläft ein Mann mit einem Stall voller Hasen und einem Karton voller Küken – lebend.

12:00 Uhr gibt es Mittagessen. Oh welche Überraschung….. Reis mit Huhn.😄 Nachdem Mittagessen wird es noch einmal spannend. Unsere Jungs müssen eine Herde Rinder aufs Schiff bringen. Und die wollen so gar nicht.

Und Schweine kamen auch noch.

Am Nachmittag fragten wir den Kapitän ob wir im Zeitplan liegen…..Jaaa, wir sind sogar super schnell. Er sagte, wir kommen morgen früh, also am Montag, statt Dienstagabend an. Wow. Das liegt daran, dass der Amazonas sehr viel Wasser und Strömung hat. 17:30 Uhr gibt es Abendessen. Reissuppe mit Huhn. Kurz nach 18:00 Uhr mache ich das letzte Bild.

Dann ziehe ich mir für heute Nacht eine Jeans, Socken und eine Jacke an. Und da hier ja sonst keiner etwas macht, schließen wir das Deck mit den Planen. Und schon schlafe ich. Christian schaut noch zu, als 22:00 Uhr einer der Bullen entladen wird.