Tag 162 – Ankunft in Leticia in Kolumbien

Mit langen Sachen war die Nacht viel angenehmer. In dieser Nacht war viel Bewegung. Unser Deck hat sich ganz schön gefüllt. Kurz nach fünf sind wir aufgewacht und aufgestanden. Wir standen gerade. Daher mussten wir ja schauen, ob wir schon in Santa Rosa unserem Zielhafen sind. Nein, aber kurz davor. Die Jungs sind gerade beim Ausladen der Rinder und Schweine.

Halb sieben waren wir dann am Zielhafen. Hier ist nichts weiter, außer ein Militärschiff. Jetzt sind wir im Dreiländereck. Wir sind noch in Peru. Gegenüber ist Kolumbien und direkt daneben Brasilien. Alles zwei Minuten mit einem Boot entfernt. Wir packen unsere Sachen und dann schauen noch dem bunten Treiben beim ausladen zu.

Ich staune noch wie die Menschen über mehrere Boote balancieren und wenige Minuten später balanciere ich selbst über diese Boote. Uns hat einer angesprochen, ob wir nach Santa Rosa zur Migration müssen…..Jaaa, und schon saßen wir bei ihm im Boot.

Die Fahrt dauert nur drei Minuten. Dann sind wir in Santa Rosa (Peru).

Es ist 07:06 Uhr und die Migrationsstelle macht erst um acht Uhr auf.

Schräg gegenüber sehen wir ein Restaurant. Da gehen wir hin. Plötzlich ein bekanntes ächzen über uns…oh ein Ara.

Das Restaurant hat noch geschlossen und es wird fleißig geputzt. Wir dürfen dennoch rein und etwas bestellen. Wir nehmen zwei Kaffee mit Milch und ein unaussprechliches Gericht. Dann kommen zwei Tassen mit heißer Milch und löslicher Kaffee und zwei große Bälle. Ist so ähnlich wir Kartoffelkloß. Wir suchen und buchen noch ein Hostel. Und dann schauen wir nach gegenüber zur Migration und die Tür ist auf. Also gehen wir hinüber, um unseren Ausreisestempel zu holen. Dann gehen wir wieder zur Bootsanlegestelle und lassen uns rüber nach Leticia nach Kolumbien bringen.

Direkt an der kolumbianischen Migration werden wir abgesetzt. Also holen wir uns gleich den Einreisestempel. Dann laufen wir einige Straßen bis zu einem Bankautomaten. Wir brauchen ja Geld. Hier in Kolumbien hat man viel Geld in der Tasche. Und es sind ungewöhnliche Höhen. Was ich meine ist…. 4000 Kolumbianische Peso sind 1 Euro. Dann schnappen wir uns ein Tuk Tuk und lassen uns zum Hostel bringen. Dort werden wir freundlich begrüßt, bekommen erst einmal ein Glas Wasser und können dann gleich ins Zimmer.

Die klammen Sachen aufhängen und duschen. Dann Berichte nacharbeiten – die Bilder der letzten Berichte sind jetzt online. Am frühen Nachmittag gehen wir und suchen uns ein Lokal. Das erste Lokal in dem wir sitzen, verlassen wir wieder, denn es kommt keiner zum Bedienen. Dann halt doch wieder die Hähnchenbraterei. Danach gehen wir noch einen Kaffee trinken und drehen eine Runde durch den Ort.

Dann sind wir zurück zum Hostel. Morgen gehen wir rüber nach Tabatinga (Brasilien, halbe Stunde Fußweg) und erkundigen uns wann ein Boot nach Manaus fährt.

An unsere Mamas: Alles Liebe zum Muttertag nachträglich. 🥰🎂🎈💕❤️🍷💐

Tag 161 – Das Leben am und auf dem Amazonas

Die erste Nacht auf dem Schiff in den Hängematten haben wir gut überstanden und doch einige Stunden geschlafen. Allerdings war es echt kalt. Wenn das Schiff mal Fahrt aufnimmt ( 25 Km/h) dann zieht es ganz schön….. Und das obwohl wir ringsum noch alle Planen runter und fest gemacht haben. Eigentlich wollte ich mir gestern ja auch noch ne Jacke und ne Hose holen, doch dann bin ich schneller eingeschlafen wie gedacht. Und in der Nacht wollte ich dann nicht mehr raus…. Ich habe mich dann in meine Hängematte eingehüllt, so gut es ging. Und als es dann heute am Morgen endlich hell wurde, war ich echt froh das die Nacht vorbei war.

Nach einer schnellen Katzenwäsche schauten wir dem Treiben zu. Ach ja, die Toiletten sind quasi Dusche und Toilette. Aber mit dem braunen Amazonaswasser wollten wir nicht duschen. Und einladend sind die Toiletten- Duschen auch nicht.

Diese Riesenlibelle entdecke ich an der Lampe.

Das Treiben auf dem Schiff: Also spätestens alle halbe Stunde halten wir an einem Dorf. Menschen steigen zu und aus. Und es werden ALLE Arten von Waren und Tieren aufgeladen. Und das alles schleppen vier Jungs. Da schauen wir interessiert zu.

Wenn wir fahren schauen wir aufs Wasser und in den Dschungel.

Gegen 07:30 Uhr kommt dann Jemand mit Frühstück vorbei. Es gibt eine Semmel mit einer Scheibe Schinken und eine weiße dicke undefinierbare Brühe. Ok, wir trauen uns und trinken. Mh…. schmeckt nach Früchten. Also besser wie gedacht. Übrigens brauchten wir noch nicht unser Geschirr. Bisher gab es noch alles. Nachdem Frühstück schauen wir wieder beim Be – und Entladen zu.

Und dann liegen wir mal wieder in den Hängematten und schwups schon wieder eingeschlafen.

Hinter uns schläft ein Mann mit einem Stall voller Hasen und einem Karton voller Küken – lebend.

12:00 Uhr gibt es Mittagessen. Oh welche Überraschung….. Reis mit Huhn.😄 Nachdem Mittagessen wird es noch einmal spannend. Unsere Jungs müssen eine Herde Rinder aufs Schiff bringen. Und die wollen so gar nicht.

Und Schweine kamen auch noch.

Am Nachmittag fragten wir den Kapitän ob wir im Zeitplan liegen…..Jaaa, wir sind sogar super schnell. Er sagte, wir kommen morgen früh, also am Montag, statt Dienstagabend an. Wow. Das liegt daran, dass der Amazonas sehr viel Wasser und Strömung hat. 17:30 Uhr gibt es Abendessen. Reissuppe mit Huhn. Kurz nach 18:00 Uhr mache ich das letzte Bild.

Dann ziehe ich mir für heute Nacht eine Jeans, Socken und eine Jacke an. Und da hier ja sonst keiner etwas macht, schließen wir das Deck mit den Planen. Und schon schlafe ich. Christian schaut noch zu, als 22:00 Uhr einer der Bullen entladen wird.

Tag 160 – Abschied von Iquitos

Heute würden wir Iquitos mit dem Schiff verlassen und unsere Amazonasreise beginnen. Bis dahin war es noch etwas Zeit, auf dem Programmstand heute Geschirr/Besteck einkaufen und den Mercado Belen besuchen. Vorbereitend zum Muttertag hängen seit Tagen schon überall Herzen in den Geschäften, heute werden die Lautsprecheranlagen noch etwas lauter gedreht. So schlendern wir von einem Geschäft zum nächsten, bis wir in einem Laden sowohl Becher als auch verschließbare Schüsseln bekommen (die Marke schreibt sich Tapaware 😉). Kurz darauf finden wir in einem Supermarkt auch Besteck. Die Hängematten würden wir am Hafen kaufen und ums Eck begann bereits der berüchtigte Markt von Belen.

Belen besteht aus einem festen Stadtteil in Iquitos und darüber hinaus aus schwimmenden Dörfern ringsum. Der Markt ist bekannt für seine Taschendiebe, daher soll man den „unteren Bereich“ meiden. Allerdings ist der Markt riesig und der „untere Teil“ nicht beschildert 😁. So liefen wir durch den Markt und es war erstaunlich: Obwohl wir sicher nur einen Bruchteil des Marktes sahen, war es die größte Auswahl an Fisch und Fleisch, die wir auf unseren Reise bisher gesehen haben. Und es gab hier alles: Neben unzähligen verschieden Fischarten sahen wir auch eher gewöhnungsbedürftiges wie Kaimann und Anaconda. Sehr beeindruckend! Dann war es ander Zeit, ins Hotel zurückkehren. Wir wollten gegen Mittag zum Schiff, unsere Schlafplätze sichern und dann zum Essen in die Stadt zurückkehren.

Gesagt, getan. Die Verabschiedung von Jaime, unserem deutschsprachigen Hotelchef, dauerte etwas länger. Es stellte sich heraus, dass er damals als Statist in Werner Herzogs Film „Fitzcarraldo“ mitgespielt hatte. Er bestätigte die Geschichten, die man aus Dokumentationen bereits kennt. Insbesondere die Spannungen zwischen Werner Herzog und seinem Hauptdarsteller Klaus Kinski sind legendär. Es war spannend, das von einem „Teilnehmer“ zu hören. Dann waren wir fertig und fuhren mit Gepäck zum Hafen. Unser Schiff wurde nach wie vor beladen. Wir packten unsere Sachen und gingen über eine Planke an Bord. Ich fragte den ersten, der nichts schleppte nach dem Kapitän, und siehe da: Er entpuppte sich als Chef der Administration. Ich fragte nach einer Kabine für zwei, woraufhin er für 10 Minuten verschwand. Zurück drückte er mir ein Vorhängeschloss mit Schlüssel in die Hand und zeigte uns die Kabine neben dem Kapitän (die doppelt so groß war und auch ein Büro enthielt). Ok. Drei Tage würden wir es hier aushalten. Es ging ja nur um einen Platz, um das Gepäck abzuschließen. Das warfen wir gleich auf die Pritschen und gingen von Bord, um unsere Hängematten zu kaufen.

Wir wurden am Stand auch gleich wiedererkannt und versorgt. Zurück an Bord hieß es nun, den besten Platz für die Hängematten auszusuchen. Wir hatten die Qual der Wahl, da nahezu alles frei war. Also: Wo waren die Treppen? Wo die Toiletten? Wo der Kiosk? Wo das Licht? So fanden wir einen unserer Einschätzung nach idealen Platz und ich hängte die Hängematten auf.

So waren wir jetzt bereit, zum Essen zu fahren (gegen 13:00). Doch was war das? Unser Schiff legte ab. Viel zu früh 😳. Aber halb so wild, es ging nur zwei Häfen weiter, wo eine Unmenge von Lebensmitteln eingeladen wurde. Nahezu zwei Stunden schleppten die Helfer Säcke und Kisten an Bord. Wie üblich mussten sie dazu auch wieder über ein anderes Schiff laufen.

Zeitgleich wurde auch getankt. Dazu legte eine Barke mit 20 Fässern auf der Seite an und ein Fass nach dem anderen wurde leergepumpt.

Neben uns lag eine schwimmende Hühnerfarm – richtige „freilaufende“ Hühner.

Nach zwei Stunden legten wir wieder ab und fuhren – fast zurück. Nein, einen Hafen weiter gab es noch einiges abzuholen. Tonnenweise Gemüse wurde eingelagert. Dann ging es zurück zum Startplatz und wir könnten um 16:00 von Bord ins Tuk Tuk und in die Stadt. Noch mt Geld versorgt und dann in das Touristenlokal No. 1 „Dawn of the Amazonas“. Dort gab es nun mal die größte Auswahl an Essen bei guter Qualität.

Gestärkt fuhren wir zurück zum Schiff. Immer noch wurde beladen, wir machten es uns bequem. Das Schiff bestand aus dem Ladedeck, darüber erstes Hängemattendeck mit Kiosk und unserem Hängemattendeck. Während auf unserem Deck keine zehn Matten gespannt waren, waren es unter uns gut belegt. Die Logik blieb uns fremd – außer uns waren noch eine weitere asiatische Touristin hier, sonst Einheimische.

Kurz vor 20:00 war es dann soweit. Knirschend und ächzend lösten wir uns vom Ufer und nahmen Fahrt auf, nach kurzer Zeit hatten wir den Hafen verlassen und befanden uns auf dem Amazonas. Bald schon schlief ich ein.

Tag 159 – Kulturtag in Iquitos

Heute stand Kultur auf dem Programm. Vorher hieß es aber noch, die Rucksäcke zu packen und abzustellen. Schließlich würden wir heute umgezogen werden, wir bekamen ein neues Zimmer.

Gesagt, getan und im Anschluss ging es ums Eck ins Zentrum. Iquitos erlebte einen Boom als Zentrum der Kautschukgewinnung ab etwa 1875, der knapp 30 Jahre anhielt. Auf dem Rücken der versklavten Indios erwirtschafteten die Kautschukbarone enorme Vermögen. Der Lebensstil war entsprechend. Es gab Opernhäuser, Kaviar und Pariser Kleidung. Manch einer schickte sogar seine Wäsche zum Waschen nach England. Zeugnis dieses Booms sind die restaurierten Häuser aus dieser Zeit mit ihren Jugenstilfassaden.

Beispiele sind z.B. Die Casa de Fierro, Casa Luis Morey, Casa Cohen oder Casa Fitzcarrald.

Am Ufer liegt das von außen unscheinbare Museo de Culturas Indígenas Amazónicas, das sich mit der Kultur der indigenen Völker am Amazonas grenzübergreifend beschäftigt. Dort verbrachten wir die nächsten beiden Stunden bei den ausgezeichneten Exponaten, eine TV-Dokumentation über das Leben der „freiwillig isolierten“ Indianer – also zurückgezogen wie früher im Dschungel lebend – lieferte einen imposanten Eindruck über das Leben im Dschungel abseits der Zivilisation.

Im Museum habe ich mir ein Armband gekauft. Das wurde in einer Gemeinde im Dschungel hergestellt.

Im Anschluss machten wir uns auf den Weg in das Lokal von gestern, um uns in der Hitze einen Refresher zu gönnen.

Leider stand nun neben Mango (wie auch schon gestern) heute auch noch Minze auf der Liste der fehlenden Zutaten. Kein Refresher, dafür Frapuccino, auch gut.

So gestärkt ging es zum Museo Barco. Es handelt sich dabei um ein Dampfschiff von 1906, das heute als Museum dient.

In den verschiedenen Ausstellungsräumen an Bord gab es eine Fülle an Informationen über den Kautschukboom und seine Auswüchse wie Versklavung und Dezimierung der Indianer.

Die Dampfschifffahrt, die in Iquitos um 1864 begann, war die Grundvoraussetzung für die Gewinnung und den Transport von Kautschuk. Vor den Dampfschiffen war eine Befahrung des Amazonas stromaufwärts wegen der starken Strömung nicht möglich.

Zum Museum gehört noch eine kleine Barke. Aus unseren Recherchen wussten wir, dass auch eine Seerundfahrt vom Schiff aus möglich wäre. Gefragt, getan – die Tour würde um 15:00 starten. Schön, da hatten wir noch etwas Zeit, um die Casa Morey gegenüber zu besichtigen. Das Haus ist heute ein Hotel und Restaurant und besticht durch die historische Ausstattung von der Eingangshalle bis hin zu den Zimmern.

Kurz darauf konnten wir an Bord der Barke gehen und wurden (exklusiv😉) um die Bucht geschippert.

Danach war es höchste Zeit für das Abendessen. Das gab es heute im Karma, ein Lokal mit angeschlossener/integrierter Kunstausstellung.

Nach einigen Snacks und Bieren liefen wir dann zurück zum Hotel.

Der Umzug hatte geklappt, wir waren nun im dritten Stock. Das Zimmer war eigentlich ein Dreibettzimmer und wesentlich größer als unser vorheriges.

Schön! Morgen Nachmittag würde es zu unserem Hafen gehen, vorher wollen wir vormittags den berüchtigten Markt von Belen ansehen.

Tag 158 – Vorbereitungen in Iquitos

Heute hatten wir uns vorgenommen, die Stadt weiter zu besichtigen, evtl. nach einer Tour für Morgen Ausschau zu halten, die Abfahrt des Schiffes zu klären und Hängematten und Zubehör zu organisieren. Dazu zählt neben Stricken für die Hängematten auch Besteck und Geschirr.

Dazu gingen wir nach dem Frühstück in Richtung der Häfen, die sich hinter den Häusern den Fluss entlangziehen. Auch der Marinehafen liegt dort, die Infotafel zeigte uns um 11:21 eine Temperatur von 31,3 Grad an.

Nach einer Stunde Spaziergang erreichten wir auch einen Hafen. Dort wurden wir allerdings weitergeschickt zum nächsten.

Als wir kurz darauf dort ankamen, sprach ich einen vor der Einfahrt sitzenden Mann an. Die Informationen der Touristinfo waren nicht ganz eindeutig, aber er konnte damit etwas anfangen. Kurzerhand nahm er mich an der Hand und wir liefen wieder zurück zu dem Hafen, von dem wir gerade kamen. Allerdings lief er mit uns durch die Blechhalle, die den Eingangsbereich markierte direkt zum Ufer. Und da lagen sie: Die Amazonasdampfer.

Unsere Gran Loretana legte gerade an. Ich gab unserem „Guide“ ein paar Soles (peruanische Währung) und wir sahen uns die Ankunft des Schiffes an. Das würde also ab Samstag für mind. 72 Stunden unser Zuhause sein.

Als das Schiff anlegte, sprang sofort ein ganzer Schwarm von Ladehelfern an Bord. Wie in einem Ameisenhaufen ging es nun zu. Ein Strom von Passagieren verließ mit allerlei Gepäck das Boot, ein Rudel Tuk-Tuk-Fahrer nahm die meisten auf und fuhr sie wohin sie wollten, Proviant und Gepäck wurde schon wieder auf das Schiff gebracht. So würde es hier jetzt zwei Tage zugehen, bis die Gran Loretana am Samstag um 18:00 nach Santa Rosa aufbrechen würde.

Auffällig auf der ganzen Reise bisher entlang von Napo und Amazonas war das Fehlen jeglicher Hilfsmittel wie z.B. Sackkarre. Die zentnerschweren Lasten, ob Getränke, Bananen oder Möbel, wurden zwischen den Transportmitteln ausnahmslos auf dem Rücken getragen.

Beeindruckt von der Betriebssamkeit sahen wir uns nun in der Blechhalle um. Hier gab es alles zu kaufen, was wir benötigen würden. An einem Stand fanden wir Hängematten, Seile, Besteck/Geschirr. Wir klärten den Preis und entschlossen uns, die Sachen am Samstag zu kaufen.

Jetzt liefen wir die Hafenstraße wieder zurück ins Zentrum, vorbei an unserer Ankunftsstelle.

Wir hatten uns eine Erfrischung verdient.

Bereits gestern hatten wir herausgefunden, warum uns in diesem Touristenzentrum kaum Touristen auffielen. Wenn sie nicht auf Dschungeltour waren, saßen sie alle in einem der Cafés/Restaurants am Flussufer. Hier ließen wir uns nun auch auf einen Refresher (Saft aus Ingwer, Minze und Limetten) und Toast nieder.

An diesem Ort treffen sich neben den zehn anwesenden Touristen allerdings eine mindestens ebenso große Anzahl von Souvenirverkäufern, Straßenmusikanten und Touranbietern – das war der Vorteil der zweiten Reihe-Lokale, man hat da seine Ruhe unter Einheimischen.

So gestärkt gingen wir am Malecon (Uferpromenade) weiter entlang und über einen kleinen Umweg über die Bank (Geld abheben) zurück zum Hotel.

Zwischendurch hatten wir uns in einer Agentur noch über Ausflüge informiert und dann dankend abgelehnt. Iquitos als der peruanische Eingang zum Dschungel hat als Schwerpunkt – oh Wunder – Dschungeltouren. Da wir aber gerade aus dem Dschungel kamen, stand uns der Sinn nicht nach Affen, Delfinen, Spinnen oder Ähnlichem. Wir würden unsere zwei Tage bis zur Abfahrt noch mit Markt, Museen und Cappuccinos verbringen.

Nach einer kurzen Siesta im Hotel war es auch schon wieder Abendessenszeit. Da die Casa de las Enchiladas uns am Vortag gut gefallen hatte, liefen wir auch heute wieder da ein. Fleisch, Wurst, Hühnchen und Pommes satt. Auf den Schiffen würde es wieder ausschließlich Reis und Kochbananen geben.

So ging der Tag zu Ende und wir schlenderten zurück ins Hotel.

Tag 157 – Ankunft in Iquitos…

Um 6:00 standen wir auf und packten unsere Sachen. Neben der ohrenbetäubenden Beschallung bis um 2:00 verhinderte auch das durchgehend brennende Licht im Flur einen erholsamen Schlaf.

Wir verließen das Hostal, nahmen das erste Tuk-Tuk und führen nach Indiana zum Hafen. Dort bekamen wir gleich ein Schnellboot.

Nach einer Stunde waren wir vor 9:00 in Iquitos am Hafen. Wir quetschten uns mit unserem Boot zwischen zahlreiche andere und machten fest. Wieder einmal über Planken und auch noch eine steilenTreppe ging es nach oben ans Ufer. Zu unserer Überraschung befanden wir uns am Ende einer Markthalle. Wir gingen durch sie hindurch und befanden uns nun auf der Straße. Passenderweise fing es auch wieder zu regnen an. Wir nahmen uns ein Tuk-Tuk und fuhren zum Hotel unserer Wahl.

Zum Glück war ein Zimmer frei – reserviert hatten wir wegen der Unwägbarkeiten bei den Flussreisen nicht. Überraschung: Der sehr freundliche Besitzer spricht deutsch.

Das Zimmer war zwar noch nicht bezugsbereit, aber wir könnten noch ein Frühstück bekommen. Herrlich: Kaffee mit heißer Milch (schon fast Schaum 😉), ein Rührei mit allem, Saft und einer wunderbaren Baguettesemmel (beste Semmel in Südamerika bisher). So gestärkt konnten wir bald darauf unser Zimmer beziehen.

Ruhig nach hinten gelegen bietet es nicht den besten Ausblick, aber hoffentlich einen hohen Erholungsfaktor. Zuerst war langes Duschen angesagt und Waschen. Mit Klimaanlage könnten die Sachen evtl. trocken werden.

Dann dösten wir so vor uns hin und recherchierten zu Iquitos und Amazonas. Ab 14:00 wurde Ajax Amsterdam-Tottenham Hotspurs live übertragen. Hier gönnten wir uns fast die erste Halbzeit. Dann ließ die Wirkung des Frühstücks nach, es stellte sich Appetit ein. Also raus aus der klimatisierten Zone auf die Straße. In Iquitos bestehen m.E. 80% des Verkehrs aus Tuk-Tuks. Teilweise erinnern die Szenen an den Ampeln an Südostasien.

Nicht weit vom Hotel fanden wir ein Lokal, dass eine große Auswahl an Speisen OHNE REIS UND OHNE HÜHNCHEN anbot. Das könnten wir nun wirklich nicht mehr sehen. Es gab Nudeln mit Lomo (Fleisch) und einen Hamburger mit Wurst. Mmmmh – endlich wieder Geschmack. In dem Lokal (übrigens 7/24h Betrieb) gab es etwa ein Dutzend Monitore, die Fußball übertrugen. Der Laden war voll, die Mehrzahl der Gäste bejubelte die Aufholjagd und den Sieg der „Spurs“.

So gestärkt gingen wir durch das Zentrum und fanden auch schnell die Touristenauskunft iPeru. Auf unsere Anfrage „Wie kommen wir am Amazonas weiter“ drückte uns die nette Dame einen Zettel in die Hand mit allen Informationen.

Das Slow Boat fährt Montag – Samstag um 18:00 ab und kommt drei Tage später in Santa Rosa an. Das ist der Grenzort Perus im Dreiländereck zu Kolumbien und Brasilien.

Wir werden uns wohl – falls verfügbar- eine Kabine gönnen. Das hat Vorteile wie eigene Toilette, Bett und Sicherheit für das Gepäck. Trotzdem werden wir uns Hängematten für tagsüber besorgen. Reservieren kann man das Boot nicht, Tickets erhält man beim Einsteigen.

Jetzt gilt es zu überlegen, wann wir abfahren.

Im Anschluss ging es an den Fluss und den teilweise hübsch anzusehenden Malecon entlang (Uferpromenade).

Nach dem Spaziergang gönnten wir uns nach langer Zeit wieder einen Pisco Sour. Den gab es in Ecuador einfach nicht. Übrigens waren wir über sechs Wochen in Ecuador und das nahezu ohne Bergsteigen). Soll heißen: Länger als erwartet. Das Land ist relativ klein, die Transporte dauern aber auch relativ lange.

Abends war am Hauptplatz der Springbrunnen in Betrieb, die Kirche wurde angestrahlt. Diese Bilder nahmen wir auf unserem Weg ins Hotel noch mit.

Dann hieß es Berichte schreiben und planen. Insbesondere das Hochladen der Bilder beschäftigte noch für Stunden (seeeehr langsames WIFI).

Tag 156 – Auf dem Rio Napo nach Mazán

Um 3:15 ging endlich der Wecker. Es regnete. Wir verpackten unsere Sachen wasserfest, verließen die äußerst schmuddelige Unterkunft und gingen mit Taschenlampen vor die Tür. Über einige Treppen ging es weiterhin bei strömendem Regen und absoluter Dunkelheit nach unten zum Ufer und über eine Planke auf das Boot. Wir waren die ersten. Die Rucksäcke wurden verstaut und wir nahmen schon mal Platz auf den zugewiesenen Sitzen.

Nach und nach trudelten noch drei Leute ein. Da das Boot neben uns fünf Menschen auch noch diverse Pakete, Rasenmäher und einen Bootsmotor transportierte, war es am Bug auch schon eng. Darüber hinaus werden mit diesen Booten auch noch Briefe und sogar Geld transportiert (letzteres in kleinen Plastiktütchen). Gegen vier legten wir ab. Zur Orientierung auf dem breiten und rasch dahinfließenden Rio Napo leuchtete der Kapitän immer wieder mit einem Handscheinwerfer nach den Seiten und nach vorne. Nach wie vor war strömender Regen, unseren Zeitplan – Ankunft um 19:00 in Mazán- würden wir nicht halten können, eine Übernachtung in Mazán würde sicher fällig werden.

So dösten wir vor uns hin, um 6:00 ging die Sonne über dem Dschungel auf und wir hielten immer wieder am Ufer, um Leute ein- und Aussteigen zu lassen bzw. um Ware/Geld abzuliefern oder anzunehmen.

Nach der schlaflosen Nacht schliefen wir zwischendurch immer wieder ein. Auch an Essen war gedacht. Zum Frühstück wurde ein im Bananenblatt verpackter Reis mit Hühnchen gereicht.

So vergingen die Stunden. Immer wieder regnete es kurz und heftig, die seitlichen Plastikplanen machten wir daher mal runter und mal wieder hoch.

So betrachteten wir stundenlang das Treiben am vorbeiziehenden Ufer des Rio Napo. Erstaunlich, wie viele Menschen unter einfachsten Bedingungen hier in ihren Hütten leben. Welch ein Kontrast zum durchschnittlichen mitteleuropäischen Leben.

Gegen Nachmittag war das Sitzfleisch durch die durchgesessenen Sitze schon arg strapaziert und die Suche nach der passenden Position wurde schwieriger. Das Tanken nutzte ich gerne zu einem kleinen Spaziergang.

Als es um 18:00 die Sonne unterging, wurde die Navigation erneut schwieriger. Bei Hochwasser wachsen den Flüssen hier viel Nebenarme, das macht es ebenfalls nicht leichter. Als dann auch noch Nebel hinzukam, drosselten wir die Geschwindigkeit und es ging im „Schritttempo“ weiter, immer wieder den Handscheinwerfer benutzend. Einige wenige Boote waren ebenfalls noch auf dem Fluss, mit Lichtzeichen und Rufen ging am sich aus dem Weg. Dieser spannende Teil dauerte etwa eine Stunde bis 19:00 und dann schlief ich erneut ein. Als ich aufwachte, war der Himmel klar und ich wähnte mich auf einem riesigen See – links und rechts nur Wasser. Aber: Vor uns eine Lichterreihe am Ufer, das musste Mazán sein. Richtig, das war Mazán. Wir legten nach 20:00 und knapp 500km auf dem Fluss an einem Bretterverschlag an und unser Bootsbegleiter ging mit uns über die Planken auf die Straße. Gegenüber der Anlegestelle war ein Hostal. Für 20 Soles bekamen wir ein Zimmer. Da die Zimmer nach oben hin nicht abgeschlossen sind, ist es mehr ein Schlafsaal mit Brettern dazwischen. Beim Beziehen der Unterkunft die Überraschung: Es war nur ein normales Einzelbett im Raum. Ja, das ganze Hostal bestand ausschließlich aus solchen Boxen. Auf Touristen ist man hier definitiv nicht eingerichtet.

Wir gingen die einzige Straße entlang und fanden ein paar Häuser weiter einen Laden, der Bier verkaufte und ein paar Stühle vor der Tür hatte. Da ließen wir uns mit unserem Schlummertrunk nieder und schlossen noch Freundschaft mit der scheuen Nackthündin des Lokals.

Anschließend ging es zurück ins Hostal. Mittlerweile hatte in unmittelbarer Nachbarschaft ein Nachtclub seinen Betrieb aufgenommen und beschallte uns mit ohrenbetäubender Musik. Unsere Erschöpfung von der schließlich 16-stündigen Bootsfahrt half uns trotzdem einzuschlafen. Morgen würden wir früh mit einem Tuk-Tuk zum 8km entfernten Hafen fahren. Dabei handelte es sich um einen anderen Ort, Indiana. Von dort aus gehen die Schiffe nach Iquitos (Schnellboot, eine Stunde).

Tag 155 – Letzte Touren und Abschied

Das Wetter zeigte sich heute von seiner besten Seite, eine Vogelbeobachtungstour stand nichts im Wege (bei Regen zeigen sich die Tiere nicht, wir wären länger liegengeblieben). Mit dem Boot ging es die Flussarme rauf und runter, immer wieder nur mit dem Paddel. Wir sahen und vor allem hörten wir eine Vielzahl von Vögel. Die Stimmung am Morgen ist ganz besonders schön.

Am imposantesten war allerdings die Geräuschkulisse von zwei benachbarten Affenhorden, die lautstark ihr Revier markierten. Insgesamt sahen wir auf dieser Tour vier verschiedene Affenarten, u.a. Kapuzineräffchen.

Jetzt ging es zurück zum Frühstück und dann stand unser letzter Walk auf dem Programm, eine 3-4 stündige Dschungeltour. Gleich zu Beginn zeigt uns Wilson einen besonderen Baum. Er schneidet in die Rinde und der Baum blutet…. Diese Flüssigkeit benutzt man im Dschungel wenn man tiefe Verletzungen – zum Beispiel durch die Machete verursacht – hat oder als Sonnenschutz.

Der Zugang muss sich aktuell hart erkämpft werde, da das Wasser nahezu überall steht und unzählige Behelfsbrücken und Steg aus hingeworfenen Baumstämmen überquert werden müssen. Wilson unser Guide baut uns oft Behelfsgeländer aus Stöcken. Man muss mit den rutschigen, schlammigen Gummistiefeln auf den Baumstämmen balancieren.

Wilson hat sich einen Wurm ans Ohr gehängt.

Ein Baumstamm voller Stacheln

An dieses Schlammloch kommen oft Tiere wie Jaguar, Tapir….aber heute ist niemand da

Hier haben wir eine Pause gemacht und Wilson hat uns aus einem Pilz dieses Abschiedsgeschenk gemacht und überreicht.

Dann ging es zurück zur Lodge. Dort angekommen hatten wir noch eine Stunde bis zum Mittagessen. Das hieß für uns die Hosen und Socken auswaschen. Die waren voller Schlamm. Und heute scheint die Sonne und wenn wir Glück haben, trocknen die Sachen noch.

Vor unserer Lodge gefunden

Nachdem Mittagessen ging ans Packen und Abschied nehmen. Von unseren sechs russischen Freunden blieben vier in der Lodge, zwei nutzten die Gelegenheit zu einem Kurzausflug nach Peru, u.a. um Bier einzukaufen 😁.

Gegen 15:00 kamen wir in Pantoja/Peru an. Kurze Anmeldung beim Militär durch unseren Bootsführer und runter vom Boot. Gegenüber der Bootsanlegestelle fand sich gleich eine Unterkunft mit wenig Kakerlaken. Mehr gab’s hier nicht, dafür unschlagbar günstig für 5$ pro Person.

Zu unserer großen Freude ging das nächste Boot am nächsten Tag um 4:00, wir würden mit einer Nacht hier auskommen. Nicht ganz eine Nacht, da Aufstehen um 3:30 angesagt war. Der Bootsführer hatte sich schon eingefunden, unsere Ankunft hatte sich schnell herumgesprochen. Die weniger gute Nachricht: Mittlerweile wurde der Fahrplan geändert, es gab keine Zwischenübernachtung in Santa Cloltilde mehr, d.h. mindestens 15 Stunden Fahrt auf dem kleinen Boot.

Der nächste Weg führte uns zum Migrationsbüro, wo wir unseren Einreisestempel erbaten. Das Prozedere hier hätte einem internationalen Flughafen gut angestanden.

Bild wurde gemacht, Fingerabdrücke genommen und dann gab es den Stempel. Alles superfreundlich und professionell. Hurra! Jetzt waren wir legal in Peru!

Dann war es Zeit, uns zu verabschieden von Guide Wilson, unserem Bootsführer und unseren beiden russischen Begleitern. Alle waren uns nach drei Tagen und Nächten schon ans Herz gewachsen, also großes Drücken und Winken!

Den Ort besichtigt (10 Minuten) und ans Ufer gesetzt, dann noch Semmeln eingekauft und Bierchen in einem „Restaurant“ getrunken – und früh ins Bett

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Geschlafen wurde wenig, zwischendurch kamen die obligatorischen Unwetter, das Prasseln des Regens hörte sich an wie ununterbrochenes Donnern. Außerdem war es furchtbar heiß in dem Zimmer.

Na, auf diese Bootsfahrt war ich nun mal gespannt.